NÖ: Chemieunfall in Firma löste großes Fischsterben aus

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Das Fischsterben im Mühlbach (Bezirk St. Pölten) ist durch Ammoniak von Egger Getränke verursacht worden.

Mit Ammoniak verunreinigtes Wasser löste im Mühlbach (Bezirk St. Pölten) ein massives Fischsterben aus. Die Chemikalie dürfte aus der Firma Egger Getränke in die Umwelt gelangt sein. Sämtliche Fische verendeten. Darunter sind auch Gattungen, die auf der roten Liste stehen, beklagen Experten. Eine Wiederansiedlung dürfte Jahre dauern.

Am Samstagvormittag entdeckten Kraftwerksbetreiber in Herzogenburg  im Mühlbach - entlang des Gewässers gibt es elf Wasserkraftwerke - zahlreiche tote Fische und verständigten daraufhin sofort die Gewässeraufsicht. Innerhalb einer halben Stunde waren sie laut Karl Gravogel, dem niederösterreichischen Landesfischermeister, vor Ort und entnahmen Fisch- und Wasserproben. Schnell war klar, dass eine giftige Chemikalie der Auslöser für die tausenden toten Fische zu sein scheint.

Das Landeskriminalamt NÖ und Experten wurden mit der Nachsuche beauftragt. Nun gibt es erste Ergebnisse: Die Chemikalie dürfte aus einer dort ansässigen Firma stammen. Ein Fahnder sagt gegenüber dem KURIER am Dienstagvormittag: "Für uns stellt sich die Verdachtslage schon recht klar dar." Auch von der BH heißt es:  "Es gibt einen großen Verdachtsmoment."

Egger Getränke gesteht Unfall

Wenig später war dann klar, dass Egger Getränke das ansässige Unternehmen ist. In einer Aussendung teilten sie mit, dass es Samstagfrüh in der Produktion in Unterradlberg zu einem Ammoniak-Austritt kam. Dieses werde in der Produktion als Kühlmittel eingesetzt. Die Produktion wurde laut Getränkehersteller daraufhin sofort gestoppt - einerseits um die Mitarbeiter zu schützen, andererseits, um die Fehlerquelle zu beheben. Das Ammoniak wurde mit Wasser gebunden - dabei dürfte verunreinigtes Wasser in die Kanalisation und in der Folge in den Mühlbach gelangt sein.

„Wir bedauern den entstandenen Schaden in aller Form und setzen alles daran, den Vorfall im Detail zu analysieren sowie die Schäden zu beheben. Gemeinsam mit Fischerei-Sachverständigen und dem örtlichen Fischereifachverband werden wir das ökologische Gleichgewicht im Mühlbach so rasch wie möglich wiederherstellen,“ so Egger Getränke Geschäftsführer Kurt Ziegleder. Aktuell würden bereits erste Gespräche mit den Betroffenen stattfinden.

Ein etwa 20 Kilometer langer Abschnitt ist vom Fischsterben betroffen. "Für den Mühlbach bedeutet das, dass derzeit keine Lebewesen mehr vorhanden sind. Die Fische sind praktisch vernichtet worden. Der Bereich zieht sich von Radlberg bis nach Hollenburg", sagt Gravogel. Noch immer würden tote Fische angespült werden. "Es geht nicht sofort, dass alle auf einem Haufen beisammen sind. Die Fische sind großteils zu Boden gesunken, werden dann wieder aufgetrieben und bei den Rechen der Kraftwerksanlagen herangespült", sagt Gravogel weiter.

Ansiedlungsprojekte

Sobald das Schlimmste überstanden ist, müssten Ansiedlungsprojekte gestartet werden. "Der Mühlbach  muss wieder mit Jungfischen besetzt werden", sagt Gravogel. Bei Koppen, die auf der roten Liste stehen, sei dies jedoch ein schwieriges Unterfangen, da es sie in der Nachzucht nicht gebe. "Da muss man warten, bis sie sich von oben herab wieder im Mühlbach ansiedeln", sagt Gravogel. Er rechnet damit, dass es eineinhalb bis vier Jahre dauern wird, bis das Gewässer wieder in Ordnung ist.

Für Herzogenburg sei der Mühlbach vor allem für die Stromerzeugung von Bedeutung. "Die elf Kleinkraftwerke sind wichtig für uns", sagt Bürgermeister Franz Zwicker (SPÖ). Er schätzt, dass die Chemikalien keinen Einfluss auf diese haben werden.

( kurier.at , rieg ) Erstellt am 15.05.2018