Bekanntes Ausflugsziel in NÖ: „Höhlengeist“ sucht dringend Hilfe

Seit 100 Jahren finden in der Nixhöhle Führungen statt. Albin Tauber hat sein Wissen aufgeschrieben – weil unklar ist, wer es weiterträgt.
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Albin Tauber, 79 Jahre alt, würde gerne etwas kürzertreten. „Aber der Bürgermeister sagt mir seit drei Jahren: Bitte, Albin, du kennst dich da so gut aus, mach noch ein Jahr – und ich lasse mich überreden“, erzählt Tauber mit einem Schmunzeln.

Tatsächlich kennt der Pensionist vermutlich jeden noch so kleinen Winkel der Nixhöhle in Frankenfels im Bezirk St. Pölten, die von rund 6.000 Menschen pro Jahr besucht wird. Der Name kommt von den weißen Kalkablagerungen, die im Volksmund früher auch als „Nix“ bezeichnet wurden.

Riesige Bergmilchvorkommen

Seit mehr als zwei Jahrzehnten führt Tauber die Gäste durch die Tropfsteinhöhle, die in den Kalkfelsen des Pielachtals liegt. Normalerweise dauert eine Führung eine Stunde, Tauber nimmt sich für die Gäste etwas länger Zeit, denn zu sehen gibt es mehr als genug: Moose, Algen, Farne, Fledermäuse, den Kaskadenfall, riesige Bergmilchvorkommen und sogar das Skelett eines Höhlenbären, der von den Frankenfelsern auf den Namen „Erich“ getauft wurde.

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Der Höhlenbär

„Die Knochenreste dürften ein Alter von 20.000 Jahren haben, das ist schon etwas sehr Besonderes“, erzählt Tauber, der den meisten als „Höhlengeist Albin“ bekannt ist.

Buchpräsentation

Er hat sein ganzes Wissen über die Nixhöhle in den vergangenen Jahren niedergeschrieben – der Anlass dafür liegt auf der Hand: Vor 100 Jahren fand die erste offizielle Höhlenführung statt. „Das Buch ist 656 Seiten stark und wiegt 2,6 Kilo“, erzählt der 79-Jährige.

„Es gibt im Pielachtal nichts Vergleichbares. Viele Generationen haben die Geheimnisse der Nixhöhle bereits erkundet. Das soll auch so bleiben, und genau deshalb habe ich dieses Buch geschrieben“, erklärt der Höhlengeist. Die Präsentation findet am 9. Mai um 14 Uhr im Gastro-Betrieb VAG Leb in Frankenfels statt.

Hochwasserschäden

Dass das Jubiläum gefeiert werden kann, ist nicht selbstverständlich, denn das beliebte Ausflugsziel wurde vom Jahrhundert-Hochwasser im September 2024 hart getroffen. „Das Wasser stand in der Höhle bis zu acht Meter hoch, ein Gangabschnitt wurde massiv verschüttet“, erinnert sich Tauber. Die Saison musste vorzeitig beendet werden, dann begannen die Aufräumarbeiten.

Aufruf

Obwohl die Nixhöhle längst wieder ohne Probleme begangen werden kann, plagen Tauber Sorgen. „Ich bin 79 Jahre alt, mein Kollege, der ebenfalls Führungen veranstaltet, ist 82. Wir sind also dringend auf der Suche nach Nachwuchs. Aber leider gibt es einen Höhlenführermangel“, erzählt er im KURIER-Gespräch.

Reich wird man mit Rundgängen durch die Nixhöhle freilich nicht. „Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung“, sagt Tauber, der hofft, bald einen Nachfolger zu finden, damit auch weiterhin Höhlengeister durch eine der größten Tourismusattraktionen des Mostviertels wandern.

Interessenten können sich bei der Gemeinde melden.

www.frankenfels.at

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