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Neuwahl in Neunkirchen: ÖVP siegt haarscharf vor der SPÖ

Nur 12 Stimmen haben das Rennen um den ersten Platz entscheiden, die FPÖ landete auf Platz 3.
Rathaus in Neunkirchen

Die Wahl ist geschlagen. Nach Rücktritten, Parteiausschlüssen und einem angriffigen Wahlkampf ohne Tabus haben die Neunkirchnerinnen und Neunkirchner am Sonntag darüber entschieden, wie es in der schwer defizitären Bezirkshauptstadt in Zukunft politisch weiter gehen soll.

Das Ergebnis fällt für viele Beobachter überraschend aus: Der Zweikampf um den ersten Platz bei der Neuwahl wurde zwischen der Volkspartei und der SPÖ entschieden. Die Bürgermeister-Fraktion um Peter Teix (ÖVP) hatte um nur 12 Stimmen (1.571) die Nase vorne und landete mit 31,69 Prozent knapp vor der SPÖ (1.559 Stimmen) und Spitzenkandidat Günther Kautz auf Platz eins.

Keine Rolle in dem Rennen um den Wahlsieg spielten die Freiheitlichen. Wie bereits bei der regulären Gemeinderatswahl 2025 landete die FPÖ mit ihrem neuen Spitzenkandidaten, Landesgeschäftsführer Helmut Fiedler auf Rang drei (948 Stimmen). 19 Prozent dürften nicht ganz das Wunschergebnis der Fraktion sein, denn 2025 hatte man mit 23 Prozent deutlich besser abgeschnitten.

Kein Systemwechsel

Dabei wollten die Freiheitlichen in Neunkirchen ein Exempel statuieren und mit Fiedler den erst zweiten FPÖ-Bürgermeister in Niederösterreich stellen. Die Partei hatte für den propagierten „Systemwechsel“ weder Kosten noch Mühen gescheut und fünf Monate lang im Wahlkampf ihre gesamte Werbemaschinerie aufgeboten. Mit dem nun erzielten Ergebnis ist mehr als fraglich, ob Fiedler einen Partner findet, der ihn zum Stadtchef macht.

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ÖVP-Bürgermeister Peter Teix

Der aus der FPÖ ausgeschlossene Vizebürgermeister Marcus Berlosnig kommt mit seiner Liste „Wir für Neunkirchen“ mit 8 Prozent auf den vierten Platz (444 Stimmen), damit landete er ganz knapp vor den Grünen (435 Stimmen).

In seiner ersten Reaktion erklärt ÖVP-Bürgermeister Peter Teix, das Neunkirchen in den vergangenen Wochen "einen sehr emotionalen und von manchen politischen Wettbewerbern bewusst zugespitzten Wahlkampf" erlebt hat. "Wir haben bis zum Schluss für unsere Stadt gearbeitet und viele Projekte so vorbereitet, dass sie im Gemeinderat nur mehr beschlossen werden müssen. Daher ist es mir jetzt wichtig, in Gesprächen mit allen Parteien rasch mögliche Mehrheiten auszuloten. Denn unser Versprechen vor der Wahl gilt: Wir wollen ein neues Kapitel unserer Stadt aufschlagen und ehrlich über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Nur so werden wir Neunkirchen Stück für Stück voranbringen“, so Teix.

"Der erste Platz wurde trotz allen Anpatz-Versuchen, Hinterzimmer-Absprachen und schmutzigen Parteitaktiken verteidigt. Dieser Wahltag zeigt, dass Kommunalpolitik nicht aus Wien oder St. Pölten bestimmt werden kann. Die Kickl-FPÖ, die vom Bund abwärts alles in diesem Wahlkampf aufgeboten hat, ist heute der klare Wahlverlierer", sagt VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner.

Die Mandatsverteilung in Neunkirchen im Vergleich mit dem Urnengang von 2025: ÖVP 12 (13), SPÖ 12 (12), FPÖ 7 (9), Liste „Wir für Neunkirchen“ 3 (-), Grüne 3 (3).

Wahlergebnis 2025

Bei der letzten Gemeinderatswahl im Jänner 2025 hatte die ÖVP mit 35 Prozent Platz eins und 13 Mandate errungen, gefolgt von der SPÖ mit 32 Prozent (12 Mandate). Auf Rang drei mit 23 Prozent (9 Mandate) kam damals die FPÖ mit ihrem historisch besten Ergebnis in Neunkirchen, dahinter folgten die Grünen mit neun Prozent und 3 Mandaten.

SPÖ-Spitzenkandidat Günther Kautz

SPÖ-Spitzenkandidat Günther Kautz

Nur zehn Monate nach dem Urnengang nahm das Chaos in der Bezirkshauptstadt seinen Lauf. Im Oktober 2025 wurden FPÖ-Vizebürgermeister Marcus Berlosnig und sechs seiner freiheitlichen Mandatare wegen „Ungehorsams“ aus der Partei ausgeschlossen.

Sie machten als wilde Abgeordnete und Bürgerliste „Wir für Neunkirchen“ weiter. Doch mit dem Rücktritt von ÖVP-Bürgermeisterin Klaudia Osztovics im November – sie war nur 378 Tage im Amt – brachen alle Dämme. Ihr designierter Nachfolger zog nach nur wenigen Tagen seine Kandidatur zurück und ÖVP-Finanzstadtrat Peter Teix übernahm den Bürgermeistersessel. Der SPÖ und den Grünen wurde es zu bunt, weshalb sie ihre Mandate zurück legten.

Mit dem Ergebnis von Sonntag bleibt völlig offen, wer in Zukunft im Rathaus das Sagen haben wird. Sowohl die ÖVP als auch die SPÖ benötigt einen Koalitionspartner.

Fiedler hat in einer ersten Reaktion den dritten Platz der FPÖ als "ersten Stabilisierungsschritt" bezeichnet. „Ich möchte mich demütig und aufrichtig bei jedem einzelnen Wähler bedanken. Die FPÖ ist weiterhin eine starke, politische Kraft in der Bezirkshauptstadt, obwohl die Ausgangslage alles andere als leicht war“, so der FPÖ-Spitzenkandidat. Nun gelte es eine starke Stadt-FPÖ aufzubauen.

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