Neues Eisbad gegen Kraftwerk in der Ybbs

Dreikönigsschwimmen in der Ybbs
Öko-Initiative fordert mit dem Dreikönigsschwimmen wieder den Schutz für noch unverbauten Ybbs-Abschnitt. EVN will bis Sommer entscheiden, ob sie am 2,5 MW-Kraftwerk festhält.

Gleichzeitig mit dem schon traditionellen Protestschwimmen in der Ybbs am morgigen Dreikönigstag in Amstetten rückt die Bürgerinitiave „Pro Ybbs“ die Kraftwerksdebatten mit der EVN heuer besonders intensiv in den Fokus. Der Landesenergiekonzern wird aufgefordert, das seit 20 Jahren geplante Kraftwerk "Hohe Brücke“ endlich fallenzulassen.

Bei frostigen Außentemperaturen werden Öko-Idealisten und Abenteuerlustige am Dienstagnachmittag (14.30 Uhr, Allersdorfer Brücke) ins eisige Ybbswasser springen. Deutlicher als sonst nutzt "Pro Ybbs“ das Spektakel, um den endgültigen Planungsstopp für das geplante Kraftwerk bei Ferschnitz und St. Georgen/Ybbsfelde zu fordern.

"Für Flora und Fauna ist die Lebensader Ybbs ein wichtiges Rückzugsgebiet. Es ist daher höchste Zeit das geplante Kraftwerk aus dem Verfahren zurückzuziehen“, fordert Pro Ybbs-Sprecher Gerald Mevec.

EU-Rüge

Die 2012 erteilte naturschutzbehördliche Bewilligung für das damals um zehn Millionen Euro geplante 2,5-Megawatt-Kraftwerk löste eine Serie an Einsprüchen aus, die das Genehmigungsverfahren in die Länge zogen. Unter anderem trug eine EU-Beschwerde gar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich vor dem EuGH ein.

Eisschwimmen Teilnehmer

Eisschwimmer liefern alljährlich ein Spektakel ab. 

Die teilweise Einbindung eines Natura-2000-Gebiets oder die mögliche Missachtung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU sind Hauptargumente der Umweltschützer gegen das Kraftwerk. Sie sehen den gebotenen Artenschutz verletzt, von einst 32 Fischarten existieren in diesem Flussabschnitt nur noch 15. 

Algen und Fischtod

Die Situation werde immer prekärer, Algen-Explosionen und Fischsterben bei Niedrigwasser würden das belegen, so die Umweltaktivisten. "Die Ybbs braucht dringend einen ,freien Lauf’ für ihre Erholung und für weitere Renaturierungen“, heißt es im Pro Ybbs-Schreiben von Franz Raab an den Geschäftsführer der EVN Naturkraft Helwig Überacker.

Renaturierungen

Das Flussbett der Ybbs wurden in den vergangenen Jahren bereits außerhalb der geplanten Kraftwerkszone bei Kematen, Amstetten und im Mündungsbereich zur Donau bei der Stadt Ybbs um viele Millionen Euro, vor allem auch aus EU-Töpfen, aufwendig renaturiert.

Auch der Energieversorger EVN ist aktuell zum umstrittenen Ybbs-Kraftwerk wieder aktiv geworden. Der Grund sei nicht das Dreikönigsschwimmen, sondern das neue Elektrizitätsgesetz des Bundes, "das natürlich auch von besonderer Bedeutung für die Umsetzung erneuerbarer Energieprojekte wie des Kraftwerks Ferschnitz ist“, erklärt EVN-Sprecher Stefan Zach. Dazu fehlen aber noch wichtige Durchführungs-, Investitions- und Marktprämienverordnungen.

Das Kraftwerk wäre Garant für regionale krisensichere Energieversorgung und würde die ohnehin bestehende Sohlrampe mit einer Aufstiegshilfe für Fische passierbar machen, so Zach.

Fristverlängerung

Deshalb hat die EVN am 18. Dezember dem Landesverwaltungsgericht NÖ im laufenden Naturschutzverfahren mitgeteilt, dass unternehmensintern noch nicht entschieden wurde, ob am eingereichten Projekt festgehalten oder eine Projektänderung in Erwägung gezogen wird. Man habe um Fristerstreckung bis zum 15. Juli des heurigen Jahres ersucht. Bis dahin will sich die EVN festlegen, wie es mit dem Projekt "Hohe Brücke“ weitergehen soll.

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