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Chronik | Niederösterreich
06/11/2019

Neue Uniform für den Raser-Jäger

Willy Konrath, der neue Chefausbilder bei der Feuerwehr, über seine Pläne, die Folgen des Klimawandels und neue Projekte.

Er hat die Uniform nicht abgelegt, sondern nur gewechselt: Willy Konrath, vormals Vizechef der niederösterreichischen Landesverkehrsabteilung und damit einer der obersten „Raser-Jäger“, ist seit Anfang Mai im Feuerwehr- und Sicherheitszentrum in Tulln anzutreffen. Künftig kümmert sich der 58-Jährige um die Ausbildung der Feuerwehrleute. Eine echte Mammutaufgabe, denn alleine im Jahr 2018 wurden mehr als 1.000 Kurse mit rund 23.400 Teilnehmern durchgeführt. Mit dem KURIER sprach Konrath über seine neue Berufung.

KURIER: Herr Konrath, warum der Wechsel von der Landesverkehrsabteilung ins Feuerwehr- und Sicherheitszentrum?

Willy Konrath: Ich wurde angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, die Leitung der Ausbildung zu übernehmen. Zuerst war ich skeptisch, weil ich mich bei der Polizei sehr wohl gefühlt habe. Ich kannte mich in meinem alten Job aus und war gewissermaßen gut situiert. Schließlich habe ich mich aber doch auf neues Terrain gewagt. Dieser Beruf lässt sich mit meinen Werten vereinbaren und ich kann hier meine langjährige Erfahrung einbringen.

Und die wäre?

Führungserfahrung. Arbeiten im Team ist für mich ein ganz wesentlicher Punkt. Das beinhaltet, gute Kommunikation, Wertschätzung, Respekt und Handschlagqualität zu besitzen.

Sie sind privat schon lange Feuerwehrmitglied.

Ich war selbst Feuerwehrkommandant in Geyersberg, habe alle Ebenen der Organisation durchgelebt. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit der damaligen Feuerwehrschule gemacht, weil ich selbst viele Kurse absolvierte. Diese soziale und fachliche Kompetenz, die ich dort erfahren durfte, hat mich geprägt. Bei den Auswahlverfahren in der Exekutive hat mir das geholfen. Jetzt kann ich etwas davon zurückgeben.

Immer wieder wird die Forderung der beruflichen Freistellung freiwilliger Einsatzkräfte laut. Aber auch wenn es um die Fortbildung geht, müssen Feuerwehrleute oft ihre Freizeit dafür opfern. Wie sehen Sie dieses Spannungsfeld?

Hier prallen verschiedene Interessen aufeinander. Einerseits ist jeder Unternehmer froh, wenn die Feuerwehr im Brandfall anrückt. Ein einfaches Beispiel dazu: Brennt es in einer Tischlerei, rücken jene Feuerwehrleute an, die in ihrem Urlaub eine Ausbildung genossen haben. Andererseits muss jedem Feuerwehrmitglied klar sein, dass fehlende Mitarbeiter eine Firma wirtschaftlich treffen können. Tatsache ist, dass man in einem Miteinander Kompromisse finden muss. Ich glaube nicht, dass das mit Zwang funktioniert.

Welche Pläne haben Sie für den Bereich der Ausbildung?

Ziel muss es sein, die Ausbildung noch bedarfsorientierter zu gestalten. Wir stehen vor neuen Herausforderungen. Zum Beispiel der Klimawandel, der unter anderem extreme Hitze und damit Trockenheit und Waldbrände mit sich bringt. Um dafür gerüstet zu sein, braucht es noch mehr internationale Kooperationen. Demnächst reisen auf Initiative von Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner Teams nach Portugal, um sich dort die Arbeit unserer Kollegen anzuschauen. Wir wollen Wissen hereinbringen und hier verarbeiten.

Stichwort Nachwuchs. Feuerwehrchef Dietmar Fahrafellner denkt über eine Herabsetzung des Eintrittsalters von zehn auf acht Jahre nach.

Alle Maßnahmen, die dazu betragen, die Jugend noch früher und besser in das Feuerwehrwesen einzubinden, kann man nur begrüßen.

Würden Sie sich noch mehr Feuerwehrfrauen in Führungspositionen wünschen?

Wir sind da auf einem guten Weg. Unter den 7.400 Frauen gibt es immerhin schon sieben Kommandantinnen und 21 Stellvertreterinnen. Natürlich muss nicht jede Frau Atemschutzträgerin sein. Das Angebot ist groß genug.