Diana Müller

© Jürgen Zahrl

Chronik | Niederösterreich
06/14/2019

Neue Hoheit: „Früher ging’s um ein Lächeln für den Wein“

Diana Müller, 22, aus Krustetten, Bezirk Krems, hat die Krone der niederösterreichischen Weinkönigin übernommen.

KURIER: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erfahren haben, dass Sie die neue Landesweinkönigin sind und jetzt zwei Jahre lang das Gesicht des niederösterreichischen Weins sein dürfen?

Diana Müller: „Ich hab mich gefreut und war stolz, diese ehrenvolle Aufgabe bekleiden zu dürfen. Schon als Zehnjährige hatte ich diesen Traum. Damals kam die Vize-Weinkönigin aus unserem Ort. Sie war ein Vorbild für mich.

Ist die Krönung mit einem reinen Schönheitswettbewerb vergleichbar?

Früher ging es in erster Linie um ein „Lächeln“ für den Wein. Wer sich heutzutage für dieses Ehrenamt bewirbt, muss eine Ausbildung im Weinbau vorweisen, eine Rede halten können, eine starke Bindung zum Wein haben und offen sein. Immer noch gibt es Leute, die einen Wow-Effekt erleben, wenn sie merken, dass wir uns beim Wein auskennen und mitdiskutieren können.

Warum haben sich heuer eigentlich nur drei junge Frauen für das Amt beworben?

Das ist vermutlich reiner Zufall. Man darf nicht vergessen, dass die geburtenschwachen Jahrgänge derzeit in vielen Bereichen zu spüren sind. Aber ich sehe das überhaupt nicht negativ. Es ist wie im Weinbau, Qualität kommt vor Quantität.

Stellen Sie Ihre Regentschaft unter ein spezielles Thema?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil ich bis vor wenigen Tagen für meinen Bachelor-Abschluss im Exportmanagement lernen musste. In den nächsten Tagen werde ich schauen, was auf mich zukommt. Aber wie schon bei meiner Bewerbungsrede vor der Fachjury möchte ich den nachhaltigen Weinbau thematisieren. Zusätzlich zum Bio-Weinbau gibt es noch eine weitere Produktionsmethode, bei der es um die Ressourcen-Nutzung und den behutsamen Umgang damit geht. Das und selbstverständlich die Botschaft des Weins möchte ich in den nächsten Monaten hinaustragen.

War für Sie immer schon klar, dass Sie eines Tages Winzerin werden möchten?

Wenn man in einer großen Winzerfamilie aufwächst, ist das natürlich naheliegend. Als Kind war ich oft mit meinem Papa im Weingarten oder zu Kunden unterwegs, damit ich ihn sehen konnte. Mit 14 Jahren kam dann die große Frage: Schnell hat sich herauskristallisiert, dass ich die Höhere Bundeslehranstalt (HBLA) für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg machen möchte. Danach habe ich durch mehrere Praktika viel Erfahrung in Sachen Qualitätssicherung und Einkauf gesammelt.

Jetzt arbeiten Sie im elterlichen Betrieb mit?

Ja, ich sehe den Export als meine zentrale Aufgabe. In Österreich sind wir mit rund 75 Prozent sehr stark vertreten, aber unsere Exportquote ist noch ausbaufähig. Da kann ich mein gesamtes Wissen miteinbringen.

Als Weinkönigin wird dafür aber nicht viel Zeit bleiben.

Natürlich hat man als Weinkönigin jetzt viele repräsentative Verpflichtungen im In- und Ausland. Darauf freue ich mich sehr. Zum Glück gibt es auch noch zwei Stellvertreterinnen. Da können wir uns die Termine untereinander ausmachen.

Wie trinkfest muss man als Weinkönigin sein?

Man sollte schon ein bisschen was vertragen können. Sobald ich mit dem Auto selber zur Veranstaltung fahre, achte ich darauf, dass ich nur wenig trinke. Es hilft, immer ein volles Glas Wein in der Hand zu halten, auch wenn der Inhalt nach einer Zeit schon warm ist (lacht).

Welchen Wein trinken Sie am liebsten?

Den eigenen zählt man als Winzer nie dazu. Wir haben immer einen vollen Kühlschrank zu Hause, in dem nur fremde Weine zu finden sind. Als Winzer ist es wichtig, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ich sehe mich als Saisontrinkerin. Im Winter mag ich die kräftigeren Weine und im Sommer leichte und spritzige wie beispielsweise Rosé oder Muskateller.

Bleibt auch Zeit für Hobbys?

Seit ich zehn Jahre alt bin, gehört die Feuerwehr zu meinen Freizeitaktivitäten. Ich bin Gruppenkommandantin für die Jugendarbeit und betreue derzeit acht Kinder. Das macht sehr viel Spaß. Nebenbei mache ich Sport. Vor Kurzem habe ich auch den Jagdschein bestanden.

Wie sehen Ihre nächsten Ziele aus?

Demnächst sind der Lkw- und Motorrad-Führerschein geplant. Mir fehlt auch noch der Wein-Sommelier-Kurs. Und dann möchte ich noch mein Russisch wieder auffrischen.