St. Georgen baut neues Ortszentrum, wie aus dem Wunschkatalog

Die alte Molkerei in der Ybbsfeldgemeinde wird abgerissen. Gemeindeamt, Gasthaus und Wohnungen kommen. Störche am Molkerei-Schlot müssen übersiedeln.
Abbrucharbeiten am Molkereigelände von St. Georgen/Ybbsfeld

Um Platz für ein Jahrhundertprojekt zu schaffen, sind in St. Georgen am Ybbsfelde (Bezirk Amstetten) nun die Bagger aufgefahren. Der Komplex der historischen Molkerei wird abgerissen, ein neues Zentrum mit Gemeindeverwaltung, Gastronomie und vielen Wohnungen wird errichtet. Die Maskottchen der Gemeinde, ein alljährlich am 25 Meter hohen Molkereikamin brütendes Storchenpaar, müssen in ein neues Nest übersiedeln.

Gemeindepolitiker mit Plan für neues Storchennest

Bürgermeister Christoph Haselsteiner (l.), Vizebürgermeisterin Karin Grünberger und Amtsleiter Georg Hahn mit Plan für neues Storchennest.

Zum Fest des 60-jährigen Molkereibestandes im Jahr 1964 reiste einst sogar Landeshauptmann Leopold Figl an. Und den Kindern in der Volksschule wurde stolz beigebracht, dass es die in St. Georgen gerührte Butter sogar auf den Frühstückstisch der Queen in London geschafft habe.

Vor rund drei Jahrzehnten geschlossen und fortan gewerblich und als Wohnbau genutzt, wurde das Molkereiareal 2021 von der Gemeinde gekauft. Unter Bürgerbeteiligung wurde ein Masterplan entwickelt, dessen Verwirklichung nun in die "heiße Phase“ geht, sagt Bürgermeister Christoph Haselsteiner (ÖVP).

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LH Leopold Figl besuchte 1964 die Molkerei zum 60-Jahr-Jubiläum.

Verträge

Während bis Mitte März der Haupttrakt der Molkerei abgetragen sein soll, befinden sich gleichzeitig die Verhandlungen mit dem künftigen Bauträger des Großprojekts in der finalen Phase. "Es ist gerade hoch spannend, am 24. März wird es eine große Präsentation geben“, kündigt Haselsteiner an.

Die Dimension des Projekts, das zur Belebung des Ortskerns beitragen soll, ist massiv. „Im Grunde entsteht ein neues Gemeindezentrum“, schildert Haselsteiner. Schon im Vorjahr wurde mit dem Georgspark eine 1.700 m2 große Fläche zum Durchatmen und Entschleunigen im Nahbereich der Molkerei eröffnet. Auf nun 9.000 m2 nutzbarer Fläche wolle man bis 2033 ein „Leuchtturmprojekt“ verwirklichen, sagt der Gemeindechef.

Bauphase eins

In der ersten Bauphase wird anstelle des Haupttrakts ein in Form und Funktionalität bereits geplanter Bau mit dem neuen Gemeindeamt, einer Gastronomie samt einem kleinen Veranstaltungssaal, sowie einem Wohnbaukomplex mit 30 bis 40 Wohnungen errichtet.

Feuerwehrkran am Molkereigelände von St. Georgen/Ybbsfelde

Mithilfe des Feuerwehrkrans am Molkereigelände von St. Georgen/Ybbsfelde wurden der Schlot und das Storchennest inspiziert. 

Die genauen Eckdaten zum neuen Wirtshaus können erst nach den Detailplanungen durch den Bauträger fixiert werden, sagt Haselsteiner. Aber das Lokal sollte 50 bis 70 Sitzplätze haben, dazu gehöre ein Saal mit rund 100 Plätzen. Haselsteiner: "Dort können kleinere Feiern oder Zehrungen nach Begräbnissen stattfinden“.

Der Start für Bauphase 2 ist ab 2030 möglich, wenn das Nutzungsrecht eines Gewerbebetriebs im zweiten Molkereitrakt erlischt. Weitere Wohnungen, aber auch Flächen für Nahversorger sind in diesem Projektabschnitt vorgesehen. Man wolle auf mögliche Notwendigkeiten vorbereitet sein, sagt der Bürgermeister.

Das imposante Projekt wird von der Bevölkerung akzeptiert und mitgetragen.

Storchenpaar

Besondere Emotionen gelten jedoch dem Schicksal des Storchenpaars, das jährlich am 25 Meter hohen Schlot der alten Molkerei Junge großzieht. Eine Sorge, die man teile, sagt Haselsteiner. Der Horst am Schornstein wurde immer wieder saniert, doch der Schlot sei bereits extrem brüchig, berichtet Haselsteiner: Bis Ende Februar soll er abgetragen werden.

Horst am Schornstein der alten Molkerei

Horst am brüchigen Schornstein der alten Molkerei. 

Für die Störche wolle man sorgen, indem rechtzeitig vor deren Eintreffen ein neues Nest auf einem Masten errichtet wird. Die Lage außerhalb des Orts sei ruhig und die Hoffnung groß, dass die Vögel ihr neues Zuhause annehmen, so Haselsteiner.

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