Vier Hausärzte fehlen im Bezirk Scheibbs

© Jürgen Zahrl

Chronik Niederösterreich
01/18/2019

Neos kritisieren „Therapie“ für Behandlung des Ärztemangels

Aus Sicht von Kollermann geht die „Initiative Landarzt“ ins Leere. Die ÖVP spricht von einem Sicherheitsnetz.

von Jürgen Zahrl

Gemeindearzt Franz Huemer aus Wieselburg starb am Sonntag überraschend mit 71 Jahren. Bis zuletzt hielt er seine Praxis über das gesetzliche Pensionsalter von 70 Jahren hinaus offen – der steigende Ärztemangel macht eine solche Sonderregelung möglich. Jetzt verschärft sein Tod die ohnehin schon prekäre Lage im Bezirk Scheibbs noch zusätzlich. Alleine dort fehlen bereits vier Hausärzte. Landesweit sind derzeit 15 Kassenordinationen unbesetzt. Aufgrund der drohenden Pensionswelle dürfte diese Zahl in den nächsten zehn Jahren noch weiter steigen.

Problemlösungen

Aus Sicht der Neos geht die vor einem Jahr gestartete „Initiative Landarzt“ des Landes ins Leere. Die Idee dahinter: Mediziner aus der Spitalsholding sollen vorübergehend die medizinische Versorgung in den unbesetzten Ordinationen übernehmen. Bisher wird nur die Gemeinde Gresten, Bezirk Scheibbs, als Erfolgsbeispiel genannt. „Eine nachhaltige Problemlösung sieht anders aus. Die tatsächlichen Ursachen werden von der ÖVP nur weggeredet“, kritisiert Neos-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann und nennt Zahlen: Im Bezirk Amstetten müssten Hausärzte bis zu 260 Patienten pro Tag behandeln. Hinzu komme, dass 60 Prozent der rund 1600 Medizinabsolventen im Jahr 2017 nicht in Österreich tätig wurden. Das Resultat seien auch in Niederösterreich „teils unzumutbare Bedingungen“, wie auch Christian Schwarz, Landarzt in Oberndorf an der Melk, Bezirk Scheibbs, sagt: „Obwohl mein Sohn Mediziner ist, habe ich noch keinen Nachfolger. Er will sich nicht auslaugen lassen“. Schwarz und Kollermann fordern daher attraktivere Planstellen, einen Abbau der Bürokratie und eine Reform der Ausbildung.

Weitere Gespräche

Die ÖVP Niederösterreich verweist auf zahlreiche Maßnahmen. Die „Initiative Landarzt“ sei ein Sicherheitsnetz, das erst zum Tragen komme, wenn Planstellen nach mehrmaliger Ausschreibung nicht vergeben werden können, erklärt ÖVP-Gesundheitssprecher Franz Dinhobl. Seinen Angaben zufolge laufen derzeit Gespräche in Aspangberg-St. Peter, Groß-Siegharts, Laa an der Thaya, Litschau und Großdietmanns.

Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) fordert gleich einen Runden Tisch mit allen Beteiligten: „Wir brauchen einen großen Wurf. Bevor die Bedingungen für Hausärzte nicht grundlegend verbessert werden, wird es keine befriedigende Lösung geben.“

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