Nazi-Symbole tätowiert: Bedingte Haftstrafe für Niederösterreicher
Der Tätowierer aus dem südlichen Niederösterreich am Dienstag vor Gericht.
"Ich hab' mir nichts gedacht dabei. Es war mein Fehler, ich übernehm' die Verantwortung", sagt der Angeklagte mit gesenktem Kopf. Nazi sei er aber keiner, stellt der 49-Jährige klar. Auch wenn die Anklage der Staatsanwaltschaft anderes vermuten lässt.
Denn der gelernte Maurer hatte nach 27 Jahren seine wahre Berufung als Tätowierer gefunden. Um "zu üben", ehe er eine Anstellung in der neuen Branche fand, empfing er Kunden in seinem Keller. "Ich hab' auch nichts dafür verlangt. Die meisten haben mir halt ein bisserl was fürs Material gegeben", erzählt er am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt.
Unter diesen Kellerkunden befand sich auch ein mittlerweile rechtskräftig wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung Verurteilter. Dessen Wünsche habe er erfüllt, sagt der Angeklagte. "Drüber nachgedacht hab ich nicht", behauptet er.
Zwei SS-Totenköpfe und ein Eisernes Kreuz mit der Aufschrift "Gott mit uns" tätowierte er dem Mann auf dessen Brust, eine einschlägig bekannte Odalrune auf den Unterarm sowie die Worte "Ehre" und "Treue" und den Schriftzug "mehr sein als scheinen" - ebenfalls in der Neonazi-Szene gern als Referenz an die SS und die "Nationalpolitische Erziehungsanstalt" verwendet - auf die Hände.
Pezi-Bär mit 88
Außerdem eine "schwarze Sonne", die aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen besteht, und - deutlich seltener anzutreffen in der rechtsradikalen Szene - einen Pezi-Bären (bekannt aus der Kindersendung "Kasperl") mit der Zahl 88 auf der Brust. Diese wiederum ist gängiges Symbol in Neonazi-Kreisen, weil sie auf den achten Buchstaben des Alphabets, das H, verweist und als Abkürzung für "Heil Hitler" verwendet wird.
Fotos dieser Tätowierungen und weitere Bilder mit NS-Bezug verschickte der Mann per WhatsApp.
All diese Zusammenhänge seien ihm aber nicht bekannt gewesen, sagt der 49-Jährige. Der vorsitzende Richter hat seine Zweifel. "Wenn man da beim Tätowierer sitzt, kommt man doch ins Reden. Oder schreit man da nur?", fragt er schmunzelnd.
"Haben Sie irgendetwas mit der rechtsradikalen Szene zu tun?", will er dann ganz direkt vom Angeklagten wissen. "Gar nichts", beteuert dieser. Er habe einen kurdischen und einen albanischen Freund, wähle "Arbeiterklasse, also rot".
Hakenkreuze darf man nicht verschicken
Der Richter fragt nach: "Wissen Sie, welche Symbole man nicht verschicken darf?" Die Antwort kommt zögernd: "Na ein Hakenkreuz und die SS-Sachen."
"Wie schaut es mit ,Heil Hitler' aus?", hilft der Vorsitzende weiter. "Das klingt auch nicht so gut", ist dem Tätowierer dann doch bewusst.
Bedingte Haftstrafe für Tätowierer
Im Zuge seiner Einvernahme vor der Polizei war er deutlicher: "Der Hitler, das war ein Arschloch." Und noch einmal wird deutlich, dass in diesem Fall wohl kein eingefleischter NS-Sympathisant vor den Geschworenen sitzt. Als er bezüglich seiner "Tätowier-Übungen" im Keller meint: "Ich hab' einiges ausprobiert, aber da waren keine sozial.... halt so rechte Sachen dabei."
Die angefertigten Tattoos seien ausdrücklich auf Wunsch des Kunden entstanden: "Er hat zum Beispiel gesagt, 88 ist das Geburtsjahr von seiner Tochter."
Das Urteil, 14 Monate Haft bedingt, ist nicht rechtskräftig.
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