Waldviertler Schuherzeuger Staudinger entschuldigt sich und spricht von Missverständnis.

© KURIER/Jürgen Zahrl

Chronik Niederösterreich
05/09/2014

Nach Hitler-Zitat auf Webseite: "Dass ich Nazi bin, ist absurd"

Waldviertler Schuherzeuger Heini Staudinger im KURIER-Interview.

von Jürgen Zahrl

"Die Menschen werden jede Lüge glauben, vorausgesetzt sie ist groß genug." Mit diesem Zitat, das Adolf Hitler zugeschrieben wird, hat die Waldviertler Schuhwerkstatt "GEA" vor wenigen Tagen auf ihrer Webseite geworben. Damit löste das Unternehmen nicht nur einen Shitstorm auf seiner Facebook-Seite, sondern sogar mehrere Reaktionen in deutschen Medien aus. Einige gingen so weit, dass Firmenchef Heini Staudinger mit nationalsozialistischem Gedankengut in Verbindung gebracht wurde. Im KURIER-Interview spricht er über Hitler als Monster, einen falsch verstandenen Denkanstoß und einen großen Fehler.

KURIER: Herr Staudinger, würden Sie nochmals mit einem Hitler-Sager werben?

Staudinger: Auf keinen Fall. Wir wollten mit dem Zitat nicht provozieren. Es wurde aber als Reizthema verstanden. Das wollen wir korrigieren. Natürlich ist Hitler ein Monster. Aber seine raffinierte Methodik waren Lüge, Propaganda und Manipulation. Es ist unser ernstes Anliegen, Menschen zu sensibilisieren.

Wie haben Sie die Folgen des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung?

Ich bin 1953 geboren und habe die amerikanische Besatzungszeit miterlebt. Damals stand auf vielen Wänden "Nie mehr Krieg". Jeder war überzeugt, dass man den Wahnsinn nicht verdrängen darf, sondern aufarbeiten muss, damit das nicht mehr passiert.

Das Online-Magazin "news.de" nimmt an, dass sie wohl zu jenen 29 Prozent der Österreicher gehören, die sich laut einer aktuellen Studie einen "starken Führer" wünschen. Stimmt das?

Wir brauchen ein starkes Volk und zur Mündigkeit der Bürger die Fähigkeit, kritisch und selbstständig zu denken. Die Menschen müssen Verantwortung übernehmen und freundlich sein.

Ärgert es Sie, wenn Sie mit NS-Gedankengut in Verbindung gebracht werden?

Ich lasse mir sicher nicht vom diesem Shitstorm anhängen, dass ich ein Nazi bin. Das ist absurd. Seit 1997 haben wir 3000 Printseiten unseres hauseigenen Magazins Brennstoff herausgegeben. Wer die Inhalte kennt, weiß, dass sich meine Themen um Leben, Wahrheit und Aufklärung drehen.

Was ist die Idee dahinter, mit Zitaten zu werben?

Als wir 1997 in einer Krise steckten, begannen wir, die Werbung selber zu produzieren. Wir wollen die Bürger aber nicht mit Scheiße belästigen, sondern ihnen Brennstoff für Herz und Seele liefern. Es geht um Fragen und Inhalte, die zum Nachdenken anregen sollen: Woher kommen wir, was bedeutet unsere Lebensreise und wohin gehen wir? Daher kommen in den Heften und auf der Webseite oft Sprüche, Zitate und literarische Texte vor.

Wussten Sie, dass auf Ihrer Webseite ein Hitler-Sager steht? Mein Chefredakteur Moreau hat das alleine entschieden. Er ist ein Genie und hat schon als Jugendlicher Faust auswendig gelernt. Er hat das literarische Gespür, zu wissen, welche Sätze eine Kraft haben. Für die ausgelösten, missverständlichen Reaktionen fühle ich mich mitverantwortlich. Ich möchte mich dafür entschuldigen.

Moreaus Reaktion auf den Hitler-Sager hat viele verärgert. Er schrieb, dass es nicht richtig ist, Hitler oder Sätze von Hitler nicht zu erwähnen, etc.

Er wollte diskutieren. Leider geht immer mehr die Kultur des Streitgesprächs verloren. Es schmerzt, dass in Zeiten des Massenkonsums die Zahl jener, die kritische Aufklärung betreiben, nur noch eine Minderheit ist. Nicht eine Seite hat recht.

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

In Zukunft gehe ich mit Äußerungen vorsichtiger um. Hätten wir unter das Zitat "Großmeister der Lüge" geschrieben, hätten wir uns die ganze Debatte erspart.

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