Müllsündern auf der Spur: Gelbe Säcke unter die Lupe genommen

Umstellung auf neues Trennsystem läuft im Bezirk Neunkirchen noch mit groben Problemen. Deshalb werden nun Maßnahmen gesetzt.
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Die leere Thunfisch-Konservendose befindet sich zurecht im Gelben Sack, die Blechabdeckung einer Grabkerze ist hingegen völlig fehl am Platz. Sich durch fremden Müll zu wühlen, gehört zum Job von Gerhard Fritz und seinen Kollegen. Das Ingenieurbüro FHA für chemisch-technische Analytik hat derzeit die heikle Aufgabe, der Disziplinlosigkeit bei der Mülltrennung im Bezirk Neunkirchen auf den Grund zu gehen.

Der mit 108.000 Wohnsitzen und rund 40.000 Haushalten große Bezirk war der letzte weiße Fleck in Niederösterreich, der im Vorjahr als Nachzügler auf den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne umgestellt wurde. Zuvor hatte der Reinhalteverband Grüne Tonne seit den 1980er-Jahren die Fraktionen selbst sortiert.

Analyse des Mülls in den Gelben Säcken

Analyse des Mülls in den Gelben Säcken

Bundesweite Umstellung

Dementsprechend schwierig läuft die Etablierung des neuen Trennsystems. "Es gab 2025 eine bundesweite Analyse, was die Fehlerquote im Müll anbelangt. Die Ergebnisse im ersten halben Jahr waren im Bezirk Neunkirchen leider nicht zufriedenstellend“, erklärt Gottfried Bieglmayer von "Reclay“, dem für die Rücknahme verantwortlichen Dienstleister.

Säcke stehen gelassen

Bis zu 20 Prozent Fehlerquote bei den Fraktionen werden generell toleriert, teilweise wurde diese aber überschritten. Wenn die Abholer bei Sichtkontrollen Materialien entdeckten, die nichts im Gelben Sack verloren haben, wurden die Säcke einfach stehen gelassen und mit einem schriftlichen Denkzettel versehen. Der Unmut darüber war freilich groß.

Deshalb setzte man bei der Grünen Tonne verstärkt auf Aufklärungsarbeit in den Gemeinden und Schulen. Der Bezirk war allerdings 40 Jahre lang gewohnt, den Müll in trocken und nass zu trennen. "Deshalb war klar, dass die Umstellung nicht von heute auf morgen funktioniert und es eine Zeit lang braucht“, erklärt Gerd Hettlinger, Geschäftsführer des Reinhalteverbandes Grüne Tonne. Auch andere Bezirke benötigten zuvor Jahre, bis sich das System einspielte.

Gerd Hettlinger, Geschäftsführer des Reinhalteverbandes Grüne Tonne.

Gerd Hettlinger, Geschäftsführer des Reinhalteverbandes Grüne Tonne. 

Müllanalysen in Wien und den Bundesländern

Um einen umfassenden Überblick darüber zu erhalten, wo die Probleme genau liegen, wurde nun eine Müllanalyse bei FHA in Auftrag gegeben. Die Firma führte bereits Restmüllanalysen für die Stadt Wien und andere Bundesländer durch.

Derzeit werden die Gelben Säcke aus sieben verschiedenen Gemeinden im Bezirk Neunkirchen in einer Halle des Wertstoffsammelzentrums bis ins kleineste Detail untersucht. "Das große Problem sind biogene Abfälle und Hygieneartikel“, erklärt Gerhard Fritz. Am Montag fischte er einen 12 Kilo schweren Brocken Katzenstreu aus einem Gelben Sack. "Solche Funde treiben die Fehlerquote natürlich nach oben“, sagt Hettlinger.

Konservendosen (re.) gehören in den Gelben Sack, das Blech von Grabkerzen nicht

Konservendosen (re.) gehören in den Gelben Sack, das Blech von Grabkerzen nicht

Sorgenkind Wohnkomplexe

Bei den Analysen zeigt sich, dass es ein deutliches Gefälle gibt. In ländlichen Kommunen mit vielen Einfamilienhäusern ist die Trennungsmoral und Genauigkeit wesentlich größer als in urbanen Gegenden mit großen Wohnkomplexen.

Die Anonymität der dortigen Müllsammelstellen habe auch negative Auswirkungen auf die Sammeldisziplin, heißt es von den Beteiligten.

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