Chronik | Niederösterreich
11.05.2018

Motivierte Sportler stehen vor Abschiebung

Zwei Afghanen aus Langenzersdorf bangen trotz guter Integration um ihren Verbleib in Österreich

Die beiden Afghanen Shafiulla „Shafi“ Nazarie und Bashir Ahmad Soleimankhel sind begeisterte Sportler. Während Shafi sich Woche für Woche in der Trendsportart Flagfootball (die kontaktlose Variante des American Football, Anm.) beweist, ist Bashir als Fußballer beim SV Langenzersdorf aktiv. „Bashir ist unser Rohdiamant. Er ist ein Spitzenfußballer mit feiner Technik und guter Übersicht“, erzählt Andreas Pangerl, Funktionär des SV Langenzersdorf.

Beide Sportler sind seit Ende 2015 in Österreich und leben im Haus Anissa der Caritas in Langenzersdorf. Und die beiden Afghanen haben noch etwas gemeinsam: ihr erster Asylbescheid fiel negativ aus. Als Grund wurde bei beiden „mangelnde Integration“ angegeben. „Wir können uns das absolut nicht erklären. Beide Burschen sind sehr bemüht und zeigen, dass sie sich integrieren wollen. Sie besuchen ihre Deutschkurse und helfen auch bei den Vereinen mit“, erklärt Harald Helten von der Initiative Langenzersdorf. Er ist der Betreuer der beiden Afghanen. Der Verein wurde gegründet, um die Asylwerber aus Langenzersdorf in rechtlichen und sozialen Fragen zu unterstützen. „Wir wollen ihnen helfen, bei uns Fuß zu fassen“, erklärt Peter Schawerda, Obmann des Vereins.

Co-Trainer

Der KURIER war vor Ort und hat sich mit beiden Betroffenen unterhalten. Die Sportler sprechen verständlich und verstehen auch die Fragen ohne Probleme. Bashir erzählt, dass er sich wohl fühlt und seit kurzem nicht nur als Fußballer aktiv ist, wie SVLE-Funktionär Pangerl bestätigt: „Wir haben ihn gefragt, ob er auch als Trainer tätig sein möchte. Er hat sich sofort dafür begeistert und ist seit März als Co-Trainer der U8 und U9 im Einsatz.“

Beide Burschen haben Einspruch gegen ihre negativen Asylbescheide eingelegt. Im Fall von Bashir gibt es bereits in der kommenden Woche die zweite Anhörung. Dafür reist der Afghane mit Unterstützung an, wie Pangerl erzählt: „Spieler, Trainer und Funktionäre werden gemeinsam mit Bashir vor Gericht erscheinen und zeigen, wie wichtig er für ihre Gemeinschaft ist.“

Auch Flagfootball-Spieler Shafi kann sich über die Unterstützung seines Vereins, die DeLaSalle Saints, freuen. Nachdem auch sein erster Bescheid negativ ausfiel, setzte Vereinspräsident Stephan Katzenschlager alle Hebel in Bewegung, um zu beweisen, dass Shafi ein wichtiger Spieler und ein vollwertiges Mitglied des Vereins ist. Für Shafi selbst dauert es noch etwas: Er hat bisher keinen Termin für eine zweite Anhörung. Bis dahin steht alles im Zeichen der Genesung: „Ich habe mich vor kurzem im Training verletzt, sollte aber bald wieder fit sein, damit ich meinem Team helfen kann.“

Die Situation ist für beide Afghanen problematisch. Sollten sie abgeschoben werden, droht ihnen in Afghanistan der Tod, wie auch Initiativen-Obmann Schawerda bestätigt: „Beide waren direkt oder indirekt für die Truppen der Alliierten tätig. Das weiß man in ihren Dörfern und darum ist eine Rückkehr lebensbedrohlich.“

Hoffnung auf den Rechtsstaat

Alle Beteiligten hoffen nun auf den Rechtsstaat. Da beide Burschen beweisen können, dass sie für die alliierten Truppen gearbeitet haben, ist Schawerda positiv gestimmt. Bis zur Entscheidung heißt es abwarten.

Fußballer Bashir konzentriert sich indes auf seinen Lieblingssport. Er ist großer Real-Madrid-Fan und hofft darauf, bald jubeln zu können. Nicht nur wegen eines positiven Asylbescheides, sondern auch weil Real Madrid die Champions League gewinnt.