Kornel Hoffmann - er lebte von 1922 bis zum "Anschluss" in Mönichkirchen -  vor dem Hotel Windbichler, o. J.

© Josef Kager

Chronik Niederösterreich
06/03/2020

Mönichkirchen: Denkmal-Streit geht in die nächste Runde

Private Initiative fordert Denkmal für deportierten Skilehrer – Vorstoß der Gemeinde trifft auf Skepsis.

von Victoria Schmidt

Im beschaulichen 620-Einwohner-Ort Mönichkirchen (Bezirk Neunkirchen) hängt seit einigen Wochen der Haussegen schief. Eine private Initiative fordert mit Nachdruck die Errichtung einer Gedenkstätte für den einstigen jüdischen Ski- und Tennislehrer Kornel Hoffmann, der 1942 ins KZ Maly Trostinec deportiert und dort ermordet wurde. Der Bürgermeister sei hier untätig. Ortschef Andreas Graf (ÖVP) konterte Anfang Mai: "Die Gemeinde hat gerade andere Sorgen".

Konkret fordert die Initiative "GKH – Gedenkstätte Kornel Hoffmann" ein Denkmal im Mönichkirchner Wasserpark auf Gemeindegrund. Nach Wunsch der GKH und der Oppositionspartei "Mönichkirchen neu Denken - MönDe" hätte der Grundsatzbeschluss dazu in der Gemeinderatssitzung vm 8. Mai getätigt werden sollen. Das Datum, an dem vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg endete, wäre "zeichensetzend" gewesen. MönDe brachte dazu auch drei Dringlichkeitsanträge ein – alle drei wurden abgelehnt. Andreas Graf erklärte: "Ich sehe keine Dringlichkeit".  Die Forderung nach der Gedenkstätte gleiche bereits einer Hetze, sagte Graf, der in diesem Zusammenhang auch betonte: "Unsere Geschichte wird aufgearbeitet. Wir haben vor zwei Jahren einen Film dazu veröffentlicht, in zwei Jahren wird der Ort 100 Jahre alt, dann kommt der zweite Teil des Films – Kornel Hoffmann wird darin Erwähnung finden".

Sowohl die GKH als auch Graf berufen sich in ihrer Argumentation auf das Forschungsprojekt zur jüdischen Geschichte in der Region, dessen Ergebnisse im Vorjahr im Buch "Eine versunkene Welt" erschienen sind. Dabei wurde auch die Verbindung des vormals Wiener Bankbeamten Kornel Hoffmann mit Mönichkirchen wieder entdeckt.

Initiative erfreut – Opposition will „weiter dranbleiben"

Hoffmann dürfte der erste staatlich geprüfte Skilehrer in Mönichkirchen gewesen sein. Nach dem Anschluss wurde er aus Mönichkirchen verwiesen und von Wien aus deportiert. "Das leugnen wir auch nicht", stellt Graf fest. Deshalb habe die Gemeinde auch die Verlegung eines "Stolpersteines" in Gedenken an Hoffmann zugesagt. Der GKH und MönDe ist das aber zu wenig. "Wir fordern hier mehr Information und Bewusstseinsschaffung", erklärte Marion Rois von MönDE dem KURIER.

Der Streit ging daher in die nächste Runde. In der Gemeinderatssitzung am 29. Mai haben  SPÖ, FPÖ (je ein Mandat) und MönDe (drei Mandate) einen Antrag eingebracht, der fordert Wissenschafter Toni Eder in eine Gemeinderatssitzung einzuladen. Eder hat im Rahmen des Forschungsprojektes zur jüdischen Geschichte in der Region Kornel Hoffmanns Biografie erforscht. Der Antrag wurde von den zehn Mandataren der ÖVP ebenfalls abgelehnt. Allerdings habe man laut ÖVP-Bürgermeister Andreas Graf eine Lösung gefunden. "Es wird eine überparteiliche Arbeitsgruppe geben, die Anton Eder leiten wird". Die von der Gemeinde bestellte Arbeitsgruppe soll mit Beginn 2021 tätig werden und die Geschichte des 620-Seelen-Ortes für die 100-Jahr-Feier Mitte 2022 erarbeiten. "Damit ist rund eineinhalb Jahre Zeit - für eine Gemeinde unserer Größe ist das üblich", erklärte Graf.

"Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es scheint, dass die Wichtigkeit des Themas endlich durchgedrungen ist", sagt dazu Marion Rois. Auch von der GKH wird der Vorstoß von Bürgermeister Andreas Graf grundsätzlich positiv aufgenommen: "Wir sind erfreut, dass unsere Aktivitäten dazu geführt haben, dass es eine offizielle Arbeitsgruppe geben wird". Allerdings bleiben sowohl die GKH als auch Rois skeptisch:  Es sei noch unklar, wer die Arbeitsgruppe beauftragen wird, wann sie im Gemeinderat beschlossen wird und was ihre genaue Zielsetzung ist. Zudem sei die Frage nach einer Gedenkstätte und nach der Auseinandersetzung mit Kornel Hoffmann weiter ungeklärt. Rois fürchtet, dass das Thema dadurch nur nach hinten verschoben wird, damit sich die Gemeindeführung nicht weiter damit auseinandersetzen muss. "Wir werden da weiter dranbleiben", versichert die Oppositionspolitikerin.

 

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