Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Mobbing: Direktorin klagt wegen Burn-out

Seit einem Jahr ist Evelyn Mayer wegen Burn Out in Krankenstand. Sie sieht sich als Opfer ihrer Landesschulinspektorin.

Schwere Vorwürfe richtet Evelyn Mayer gegen die schulische Aufsicht im Land NÖ: Die Direktorin der HLW Biedermannsdorf (Bezirk Mödling) fühlt sich von ihrer Landesschulinspektorin seit Jahren gemobbt und von Landesschulratspräsident Hermann Helm alleine gelassen. Die Frau von Rechtsexperte Heinz Mayer geht jetzt vor Gericht. Mit einer Amtshaftungsklage gegen die Republik wegen "Burn-out infolge von Mobbing".

"Ich bin und war Vollblut-Pädagogin, aber ich kämpfte gegen Windmühlen und bin schließlich einfach eingegangen", sagt Mayer. Seit Mai 2010 ist sie im Krankenstand, nimmt Psychopharmaka. "Ich konnte nicht mehr schlafen, bin die ganze Nacht auf und ab spaziert, habe geheult und hatte ständig Angst. Schließlich ging ich zum Arzt", schildert sie. "Alles leidet darunter. Ein entspanntes Wochenende hat es nicht mehr gegeben. Verrückt, dass man in eine solche Situation kommen kann", meint Heinz Mayer.

Überwachung

Spannungen mit der Inspektorin habe es seit der Übernahme der Leitung an der HLW im Jahr 2004 gegeben: "Sie konfrontierte mich mit undefinierten Vorwürfen, dass ich die Schule nicht im Griff habe oder dass mir die Lehrer davonlaufen. Sie ließ meine Sekretärin anrufen, sie soll kontrollieren, ob ich anwesend bin, meinen Dienst versehe und meinen Schreibtisch aufgeräumt habe", erzählt Mayer. Eltern habe sie belügen müssen, es gäbe in Italienisch keine Plätze mehr, damit deren Kinder in Französisch angemeldet werden.

Das Fass zum Überlaufen habe aber die Einmischung in den Schulgemeinschaftsausschuss gebracht: "Danach hat sie elf Mal verlangt, dass ich Beschlüsse im schulautonomen Bereich abändere. Ich unterlag der amtlichen Verschwiegenheit und durfte mich an niemanden wenden", erzählt Mayer. "Viele haben davon gewusst und niemand hat versucht, gegenzusteuern.

Es macht traurig, wenn engagierte Menschen derart fertiggemacht werden. Diese Vorfälle müssen geprüft werden. Jemand muss zur Verantwortung gezogen werden", sagt der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser.

"Sie hat sich zwei Mal an mich gewandt und ich habe ihr unmittelbar geholfen. Das liegt aber zwei bis drei Jahre zurück. Ich schätze Evelyn Mayer sehr und bedauere ihre Situation", sagt Landesschulratspräsident Helm. Noch im April habe er ein Gespräch mit Heinz Mayer gehabt. Den Zwist habe er zur Chefsache erhoben: "Ich habe den Wirkungsbereich der Inspektorin eingeschränkt und ihr die Weisung gegeben, dass sie Mayer nur mehr Anweisungen geben darf, sofern ich sie vorher absegne. Rechtlich kann ich nicht mehr machen. Sie ist Fachexpertin und pragmatisiert."