Chronik | Niederösterreich
08.12.2017

Melk: Gehackte Bankomaten spucken Geld

Zwei Russen wurden auf frischer Tat ertappt. Die Zahl der Manipulationen ist enorm gestiegen.

Belize, Indonesien, Jamaika und vor allem auch die USA – in diesen Ländern waren sie bisher aktiv, die modernen Bankräuber, die weder Pistole noch Maske brauchen. "Black Box Attack" nennt sich der Hightech-Angriff auf Bankomaten, der sie wie von Geisterhand Geld spucken lässt. Möglich macht dies eine Manipulierung der Hard- und Software. Die Täter rücken deshalb nicht mit Brecheisen, sondern mit Laptops und Smartphones an.

In den vergangenen Monaten nahmen Kriminelle auch Geldautomaten in Österreich ins Visier. In Wien wurden einige Fälle registriert, dann wollte ein Trio Bankomaten in Niederösterreich anzapfen. Doch da war nun zumindest für zwei Russen Endstation. Sie wurden im Bezirk Melk auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Nach einem dritten Verdächtigen wird derzeit international gefahndet, die Amtshandlung hat die Betrugsgruppe des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LKA) übernommen.

Dessen Leiter, Omar Haijawi-Pirchner, will in dem Fall allerdings noch nicht ins Detail gehen. Ergebnisse sollen im Jänner präsentiert werden. "Für uns ist diese Festnahme aber ein sehr großer Erfolg, weil die Täter in diesem Deliktsbereich nur sehr selten gefasst werden."

Auf europäischer Ebene sind die Behörden ebenfalls schon sehr wachsam geworden. Kein Wunder: Die Fälle von Bankomat-Manipulationen sind innerhalb nur eines Jahres um mehr als 500 Prozent in die Höhe geschnellt.

"Operation Neptun"

Im Zuge der "Operation Neptun", die von der Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union (Europol) geleitet wurde, klickten Ende November für vier Bulgaren die Handschellen, die sich an Dutzenden Bankomaten zu schaffen gemacht haben sollen. Sie agierten allerdings noch nach einer alten Methode, mit der in der Vergangenheit aber auch viele Tätergruppen erfolgreich gewesen waren: Mit am Karteneinzugsschacht angebrachten Geräten (Skimmern) wurden die Informationen von Kredit- und Bankomatkarten ausgelesen und zur Produktion von gefälschten Karten verwendet.

Insgesamt konnten von den Fahndern 1000 gefälschte Kreditkarten sichergestellt werden. Die Schadenssumme soll bei rund 50.000 Euro liegen.