Chronik | Niederösterreich
08.11.2014

Medizinische Versorgung ohne Grenzen

Untersuchung: Primar Böhm mit Kateřina Turková aus Tschechien © Bild: KURIER/Jürgen Zahrl

Schon mehr als 1200 Tschechen wurden in Waldviertler Spital behandelt.

"Mir war nicht klar, dass es drüben weitergeht", erzählt Kateřina Turková aus České Velenice. Als die 38-jährige Mutter von vier Söhnen ein junges Mädchen war, hörte ihr Horizont am Eisernen Vorhang zwischen Tschechien und NÖ auf. Noch vor wenigen Jahren hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie jetzt im nur zwei Kilometer entfernten Landeskrankenhaus Gmünd medizinisch behandelt wird. "Binnen weniger Minuten bin ich versorgt. Das ist eine tolle Sache", sagt Turková. Genau 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gehört die grenzüberschreitende Spitalsversorgung zumindest im Waldviertel zum Alltag.

Was sich so locker anhört, war alles andere als einfach, weil für die barrierefreie Medizin in Österreich erst viele bürokratische Schranken geöffnet werden mussten. Noch vor Kurzem wirkte die Situation in Südböhmen paradox: Obwohl das Landeskrankenhaus Gmünd in Sichtweite ist, mussten tschechische Patienten aus České Velenice rund 60 Kilometer zurücklegen, um im Krankenhaus Budweis oder Neuhaus behandelt werden zu können.

Zufrieden

Seit dem Frühjahr ist vieles aus medizinischer Sicht anders. "Wenn meinen Kindern etwas passiert, weiß ich, dass sie nun rasch im Krankenhaus Gmünd behandelt werden dürfen", freut sich Turková, die zu den "Pionieren" unter den tschechischen Patienten im Waldviertler Spital gehört und zufrieden ist. "Im Gegensatz zu den tschechischen Spitälern kommt man in Gmünd schneller dran und das Personal ist freundlicher", erzählt die 38-jährige Mutter. Trotz ihrer fehlenden Deutschkenntnisse, gibt es auch keine Sprachbarriere. "Wir haben seit Jahren zweisprachiges Personal", erklärt Michael Böhm, Standortleiter des Krankenhauses Gmünd. Seit die größte tschechische Krankenkasse "VZP" Anfang des Jahres einem Regelbetrieb – im Vorjahr wurden 130 Tschechen in Gmünd testweise behandelt – zugestimmt hat, wurden bereits 1200 tschechische Patientenkontakte gezählt. Dass auch zwei weitere von insgesamt vier tschechischen Krankenkassen die Behandlungskosten in Gmünd übernehmen wollen, wird spitalsintern als nächster bilateraler Erfolg gewertet.

Kooperationen

Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka ist überzeugt, dass die grenzüberschreitende Versorgung in Gmünd nur der Anfang sein kann: "Die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg sichert die hochqualitative, rasche und wohnortnahe Versorgung. Solche barrierefreien Kooperationen sollen zu einer Selbstverständlichkeit für die Bürger werden", sagt Sobotka. In Zukunft sollen auch Niederösterreicher in Tschechien medizinische Leistungen in Anspruch nehmen können, wie etwa die Strahlentherapie in Znaim. Weitere Kooperationen werden auch zwischen Znaim, Hollabrunn, Mistelbach und Breclav angestrebt.