Chronik | Niederösterreich
05.09.2018

Mammutknochen auf A5-Baustelle gefunden

Fundstücke, wie Werkzeuge, geben Aufschluss über die Lebensweise in der Steinzeit.

Bei Grabungen zur Umfahrung Drasenhofen der Weinviertelautobahn (A5) sind Archäologen auf eine so genannte „Kill Site“ gestoßen. Dabei handelt es sich um einen Platz, auf dem in der Steinzeit Jagdbeute zerlegt wurde.  

Zuerst wurden Knochen von Mammuts gefunden. Als auch Werkzeuge freigelegt wurden, war klar, dass es sich um altsteinzeitliche Funde handelt. „Es ist die erste Kill Site in Österreich, die nach modernsten Methoden ausgegraben und analysiert wurde. Sie gibt einen sensationellen Einblick  auf die Lebensweise der altsteinzeitlichen  Menschen“, sagt Martin Krenn vom Bundesdenkmalamt. Die Knochen wurden auf ein Alter von 18.000 bis 28.000 Jahre geschätzt. Die Fundstelle befindet sich östlich der B7 (Brünner Straße) am Beginn der Umfahrung Drasenhofen.

"Es gibt in Mären und an der Donau bedeutende Fundstellen aus dieser Zeit; eine im Weinviertel hat uns noch gefehlt", sagt Krenn weiter. In den nächsten Schritten werden die Funde gesichert. "Für uns ist wichtig, dass solche Zeugnisse der menschlichen Kultur erhalten bleiben", betont Andreas Fromm, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH. 2,4 Millionen Euro investiert die Firma in die archäologischen Grabungen vor dem Neubau der Umfahrung Drasenhofen.

Menschengräber

Eine weitere Fundstelle liegt im Bereich des zukünftigen Kreisverkehrs Süd der Umfahrung. Die dort gefundene Gräber werden den Glockenbechermenschen zugeordnet (sie lebten etwa 2600 bis 2200 vor Christus). Diese Menschen erhielten ihren Namen von Gefäßen, die aussehen wie eine umgedrehte Glocke. Auch Reste einer Siedlung aus der Bronzezeit (2300 bis 800 vor Christus) wurden entdeckt. Es gibt Hinweise, dass diese Siedlung in das damalige Handelsnetz, das bis in den Nahen Osten reichte, eingebunden war.

30 bis 40 Grabstätten wurden gefunden. "Aus Skeletten kann man viel ablesen: War es ein Mann oder eine Frau? Litt die Person an einer Krankheit? Gab es Gewalteinflüsse? Was war die Ernährungsbasis?", erklärt Krenn. Sollte es etwa während der Jugend eine Mangelversorgung gegeben haben, sei dies am Knochenmaterial nachvollziehbar. Auch ließe sich anhand der Skelette erkennen, woher sie gekommen sind. Und auch Soziales sei dadurch erforschbar. "Es haben etwa 60 bis 80 Menschen zusammengelebt. Da war Zuzug notwendig, um Inzest zu vermeiden", führt Krenn aus.

Gefunden wurden auch zahlreiche Gefäße oder auch eine Armschutzplatte, die die Sehne beim Bogenschießen geschützt hat. Und auch Speichergruben - sie waren eine Art Kühlschrank - mit Kaninchenskeletten wurden entdeckt.

Die geschichtlichen Erkundungen der geplanten A5-Strecke sind bereits im Finale. Die Funde werden an das Land NÖ übergeben.