Lipizzaner stehen auf Waldviertler Holzstreu
Tagsüber tänzeln die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule über den hellen Sandboden des barocken Reitsaals in der Wiener Hofburg. Nachts ruhen die weißen Pferde in ihren Boxen – und das auf Holzflocken, die seit Jahrzehnten großteils im Waldviertel hergestellt werden. Die Firma "Happy Horse" mit Sitz in der Zwettler Marktgemeinde Martinsberg hat bereits in den 1990er-Jahren damit begonnen, aus Restholz von Sägewerken im Umkreis von bis zu 100 Kilometern Pferdestreu zu gewinnen.
Die Ursprünge des Familienbetriebs liegen in der Holzrückung, wie Geschäftsführer Otto Hofer-Brennand erzählt. Gefällte Bäume wurden damals mit Muskelkraft und Pferdestärke aus dem Wald gezogen. Hofer-Brennands Großvater gründete das Unternehmen, später stieg sein Vater in den Betrieb ein. "Da hat er quasi eine Beziehung zu den Pferden aufgebaut", erinnert sich der heutige Inhaber. Auch als die Tiere schließlich durch Traktoren abgelöst wurden, blieb Otto Hofer senior die Liebe zu den Pferden erhalten.
Ende der 1980er–Jahre standen die ansässigen Holzwerke vor der Frage, was mit den anfallenden Hobelspänen geschehen sollte. Auch Hofer beschäftigte sich mit einem möglichen Nutzen dieses Nebenprodukts und erkannte – mit etwas Inspiration aus dem Ausland – das Potenzial von Pferdeeinstreu auf Holzbasis, wie sein Sohn erzählt. "Viele haben das für eine Schnapsidee gehalten", erinnert er sich.
Die Holzflocken des Waldviertler Familienunternehmens werden auch künftig die Boxen der Lipizzaner bedecken.
Im Jahr 2003 wurde der Betrieb auf neue Beine gestellt und eine vollautomatische Produktionsanlage angeschafft. Zehn Jahre später folgte der nächste große Schritt: die Herstellung von Holzpellets - zunächst ausgelagert, später in Eigenproduktion. Hierfür können feine Hobelspäne genutzt werden, die als Einstreu nicht geeignet sind.
Tannen und Fichten
Heute verkauft der Betrieb zwar vorwiegend dieses Heizmaterial, ist jedoch auch seinen Ursprüngen als Pferdestreuhersteller treu geblieben. Während die Nachfrage im Waldviertel laut Hofer-Brennand vergleichsweise gering ist, seien Wien und das Wiener Umland von Beginn an "ein guter Boden" für das Unternehmen gewesen. Nicht zuletzt aufgrund der Spanischen Hofreitschule.
Diese sei ein "Paradekunde" und von Holzspänen als Einstreu überzeugt. In den vergangenen Jahren wurde die Reitinstitution von mehreren Herstellern beliefert. Kürzlich einigte man sich auf eine exklusive Partnerschaft für vorerst drei Jahre, mit Option auf Verlängerung.
Aufgrund ihrer Saugkraft ist Holzstreu im Stall beliebt.
Die Lipizzaner haben somit auch künftig mehrfach entstaubte Holzflocken aus Tannen und Fichten unter ihren Hufen. Eine möglichst hohe Staubfreiheit sei dabei das wichtigste Qualitätsmerkmal, sagt Hofer-Brennand. Unterschiede bei der Flockengröße gebe es ebenfalls, dabei handle es sich jedoch um ein rein optisches Kriterium: Je größer die Flocke, desto wolkiger das Erscheinungsbild in den Boxen.
In einer Aussendung zum Ausbau der Zusammenarbeit betont auch die Hofreitschule die Bedeutung von qualitätsvollen Holzspänen für Pferd und Mensch. "Für unsere Lipizzaner ist eine hochwertige, staubarme und komfortable Einstreu ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Stallroutine", wird Stallmeister Andreas Haipl zitiert. Die Produkte von "Happy Horse" hätten sich über Jahre bewährt. Aus Sicht der historischen Reitinstitution hat man mit der Partnerschaft somit wohl aufs richtige Pferd gesetzt.
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