Lindenhof: Warum eine Architektin nicht wegschauen will
Elisabeth Schuh sieht das Potential des Areals seit Jahren.
Am rot-weißen Schranken vorbei betritt Elisabeth Schuh den Lindenhof. Der Wind zerrt an ihren blondgesträhnten Haaren und lässt den offenen Mantel flattern, während sie den Wegen folgt, die sich durch die parkartige Anlage ziehen. Die Architektin ist eine der wenigen Menschen, die das mehr als vier Hektar große Areal in Eggenburg (Bezirk Horn) gelegentlich mit Erlaubnis der Eigentümerin betreten darf. Ein Umstand, den sie ändern möchte.
Die schmuckvollen Pavillons aus der Gründerzeit dienten lange Zeit als Erziehungsanstalt, später als Ausbildungsstätte für Lehrlinge. Seit 2013 hat die Stadt Wien, der die Liegenschaft gehört, keine Verwendung mehr für das Areal. Diesen Sommer soll sie verkauft werden.
Schuh passiert das Gelände beinahe täglich – auf dem Weg in die Arbeit, wenn sie ihre Kinder in die Schule bringt. Der Lindenhof liegt für sie nicht abseits, sondern mitten in ihrem Alltag. Als Initiatorin des Vereins "Zukunft Lindenhof" setzt sie sich zusammen mit den übrigen Mitgliedern für eine Revitalisierung der Anlage ein. Ein Konzept mit den Schwerpunkten Gesundheit, Wohnen und Kultur liegt bereits vor.
Schuhs Nutzungskonzept für das leerstehende Lindenhof-Areal.
Die Gruppe arbeitet nun daran, eine Bietergemeinschaft zu formieren, um das Grundstück zu erwerben. Bis 15. Mai können sich Interessierte bei der Stadt Wien melden, um am geplanten Bietverfahren teilzunehmen. Der Mindestpreis liegt bei 4,35 Millionen Euro. Rund die Hälfte der benötigten Mittel sei bereits aufgebracht, sagt Schuh. Beteiligungen sind ab 5.000 Euro möglich, die Zeit werde jedoch langsam knapp.
Was sein könnte
Aufgewachsen ist Schuh in einem Dorf rund zwei Kilometer von Eggenburg entfernt. Sie erinnert sich an eine Zeit, in der die Stadtgemeinde deutlich belebter gewesen sei. "Es hat sogar ein kleines Hutgeschäft gegeben, da bin ich mit meiner Oma einkaufen gegangen", erzählt sie. "Es war florierend." Genau hier sieht Schuh auch das Potenzial des Lindenhofs: mehr Leben in den Ort zu bringen. Und vor allem auch: Optimismus.
"Es ist wichtig, das Areal zu beleben. Gerade in der heutigen Zeit", findet die Eggenburgerin. Die Zeiger würden auf Bestandsnutzung, Flächenrecycling und Klimaschutz stehen. Für Schuh ist das Projekt nicht nur fachlich, sondern auch persönlich relevant. "Man ist verantwortlich für die Dinge, die man tut. Aber man ist auch verantwortlich für die Dinge, die man nicht tut."
Noch sind die Bäume kahl, die Gebäude verwaist und die Wiesen leer, doch Schuh sieht nicht nur, was ist, sondern was sein könnte. Kinder, die begeistert durch den Park laufen. Gefüllte Parkbänke, Menschen im Gespräch. Der Lindenhof könnte in ihren Augen mehr als ein Projekt sein. Ein Ort, an dem Alltag passiert.
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