Chronik | Niederösterreich
30.11.2018

Leichen pflastern seinen Weg: Mord-Ermittler sagt Adieu

Jahrzehntelang hat Leopold Etz für die Mordkommission in Niederösterreich gearbeitet, jetzt geht er in Pension.

36 Jahre sind eine lange Zeit. Leopold Etz hat in diesen Jahrzehnten viel Blut gesehen – auch Leid, Tragödien und Brutalität.

„Man muss aber zu alledem einen gewissen Abstand haben, sonst kann man seine Arbeit nicht gut erledigen“, sagt Etz, der den überwiegenden Teil seiner Laufbahn als Mordermittler für das Landeskriminalamt NÖ tätig war. Genau bis zum heutigen Tag, den mit Dezember verabschiedet sich der 60-Jährige in den Ruhestand.

Begonnen hatte alles auf Gendarmerieposten in Guntramsdorf, später Annaberg, Bezirk Lilienfeld. Etz wechselte dann recht flott zur Kriminalabteilung, die damals noch in der Rennweg-Kaserne in Wien angesiedelt war.

Anfang der 1980er-Jahre wurde der wuchtige Ermittler Mitglied der Mordgruppe. „Damals gab es im Schnitt noch 20 bis 25 Tötungsdelikte pro Jahr in Niederösterreich, heuer sind es gerade einmal vier“, erzählt er. Man mag deshalb gar nicht zusammenrechnen, wie viele Leichen er in seinem Leben schon gesehen hat. „Aber man muss sagen, dass Ersthelfer, Feuerwehrleute und auch Tatort-Experten ebenfalls mit diesen Umständen konfrontiert sind und trotzdem funktionieren müssen“, betont der Chefinspektor.

Im Gespräch mit dem KURIER erinnert er sich auch an „seinen“ ersten Mord. „Ein Hausbesitzer hatte einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Der Täter floh, der Mann ist im nachgelaufen. Da wurde er erschossen. Wir konnten den Mörder schnappen“, erzählt der Kriminalist.

Spurensicherung

In den 36 Jahren als Beamter in Sachen Tötungsdelikten hat Etz auch den Wandel in der Ermittlungsarbeit hautnah miterlebt. Früher, erzählt Etz, waren vor allem die Gespräche mit Zeugen wichtig, heutzutage kann man auch auf Hightech-Systeme zugreifen. „Es gibt internationale Datenbanken, die DNA-Abgleiche ermöglichen, die Spurensicherung ist einfach enorm wichtig geworden.“

Der 60-Jährige ist sich deshalb auch sicher, dass nie der Falsche hinter Gitter gelandet ist. „Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass immer der Richtige verurteilt worden ist“, sagt er mit viel Selbstbewusstsein in der Stimme.

17 Jahre war Etz Leiter der Mordkommission; drei Taten blieben ungeklärt. „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass nicht jeder Fall geklärt werden kann. Manchmal sind es einfach die Umstände, die das unmöglich machen.“

Die Anleitung für den „perfekten Mord“ wird man von dem Chefinspektor freilich nicht bekommen. „Das wäre das Blödeste überhaupt, wenn ich da irgendwelche Empfehlungen abgeben würde.“