Chronik | Niederösterreich
04.06.2018

Land sagt seinen Wieseln Adieu: Silberpfeile gehen an den VOR

Nach mehr als 20 Jahren gibt NÖ die Zuständigkeit für seine bekannte Wieselbus-Flotte ab.

Mit Ende Juni wird nach über 20 Jahren ein neues Kapitel im nö. Nahverkehr aufgeschlagen. Das Land gibt seine Wieselbusse, im Volksmund auch als „Beamten-Silberpfeile“ bekannt, an den Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) ab.

Mit dem Wechsel der Zuständigkeit für die elf Wiesel-Schnellbuslinien, die bisher von der NÖ Verkehrsorganisationsgesellschaft ( NÖVOG) geführt wurden, sollen Fahrpläne, Streckenführungen und Fahrpreise vorerst weitgehend unverändert bleiben. Allerdings ist geplant, die Flotte künftig besser mit bestehenden Bahn- und Busfahrplänen abzustimmen.

Relikte aus vergangener Zeit

Die Wieselbusse sind eigentlich Produkte einer großen Übersiedelung: Als St. Pölten 1986 zur Landeshauptstadt wurde, kamen in der Folge neben der Landesregierung zahlreiche andere Unternehmen, wie die NÖ Versicherung oder Gebietskrankenkasse, von Wien an die Traisen. Die 1993 gegründete NÖVOG sollte den öffentlichen Verkehr organisieren und für Pendler schnelle Verbindungen in die neue Hauptstadt schaffen. 1996 startete schließlich das Wiesel-Schnellbussystem.

„Das Wiesel ist seit mehr als 20 Jahren ein Zeichen für hochwertigen öffentlichen Verkehr“, bilanziert der zuständige Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko. „Um Synergieeffekte zu nutzen und alle Busbestellleistungen zu bündeln“, werde aber nun die Zuständigkeit an den VOR übertragen. Dort wird schon bisher das gesamte nö. Bus-System abgewickelt.

Erfolgreiche Wieselbus-Flotte

Planung und Betrieb von Bahnen, Bergbahnen und des touristischen Verkehrs – darunter Frequenzbringer wie Mariazeller- und Schneebergbahn sowie Wachau- und Waldviertelbahn oder der Reblaus Express – bleiben Aufgabe der NÖVOG. Geschäftsführer Gerhard Stindl: „Der Wieselbus ist eine Erfolgsstory, mit der die NÖVOG vor 22 Jahren entstanden ist. Ich bin überzeugt, dass die Zuständigkeit im VOR gut angesiedelt ist und dass die Erfolgsgeschichte weitergeführt wird.“

Beim VOR ist man ebenfalls zuversichtlich, auf den Erfolgen der Wieselbus-Flotte aufbauen zu können. „Der Verkehrsverbund übernimmt ein gut eingeführtes und erfolgreiches Schnellbussystem, das geprägt ist durch hohe Kundenzufriedenheit, gute Auslastung, treue Kunden und nicht zuletzt eine starke Marke“, sagt VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll.

Neuerungen

Nun gehe es in erster Linie darum, die Schnellbuslinien „in das Gesamtsystem Öffentlicher Verkehr zu integrieren“, so Schroll. Eine erste Adaptation wurde bereits ausgearbeitet: Mit der neuen Haltestelle Zwettl Kampparkplatz der Linie F kann das Angebot dieser Linie auch anderen Fahrgastgruppen geöffnet werden. Es sollen neue Umstiegsmöglichkeiten zu den bestehenden Waldviertellinien geschaffen werden.