Chronik | Niederösterreich
23.08.2018

Land Niederösterreich bekämpft Schutz des Wolfs

Studie sieht negative Folgen für Tourismus und Landwirtschaft, WWF fordert endlich Herdenschutz.

Jetzt wird es eng für die Wölfe im Waldviertel. Glaubt man der Studie von Ex-Ministerin Sophie Karmasin im Auftrag des „Kuratoriums Wald“, bröckelt das Image der Raubtiere gewaltig. Sie kommt zu dem Resultat, dass 69 Prozent der Befragten negative Auswirkungen für die Landwirtschaft befürchten. 31 Prozent hätten Angst, in den Wald zu gehen. Zudem fürchten mehrere Tourismusbetriebe einen Imageschaden. Sorgen kann Andreas Schwarzinger, Chef der Tourismusagentur Waldviertel, auf KURIER-Anfrage keine erkennen: „Bei uns ist der Wolf kein Thema. Seit der ersten Sichtung in Allentsteig hatten wir dazu nur zwei Gäste-Anfragen“, sagt er.

Karmasins Studie und 31 Schafsrisse binnen vier Wochen nimmt das Land Niederösterreich trotzdem zum Anlass, um ein Umdenken der Europäischen Union zu fordern. „Wir müssen die Sorgen unserer Bewohner ernst nehmen. Der Wolf ist nicht mehr gefährdet“, sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und verlangt Regulierungsmaßnahmen – also konkret: den Abschuss mehrerer Raubtiere.

15 Wölfe alleine im Waldviertel und ein Zuwachs von 30 Prozent pro Jahr würden belegen, dass von einer ausgestorbenen Tierart keine Rede mehr sein kann. „Die Zahlen zeigen exponentiell nach oben“, erklärt Walter Arnold vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde an der Veterinärmedizinischen Uni in Wien. Das heißt, in fünf Jahren könnten schon 55 Wölfe im Waldviertel leben. Auf die Frage, wie hoch die Gefahr ist, von einem Tier angefallen zu werden, meint er: „Im Regelfall ist der Wolf für Menschen ungefährlich. Trotzdem muss jedem klar sein, dass es sich um ein Raubtier handelt“, sagt Arnold.

Schreckschüsse

Die Sicherheit der Menschen stehe an oberster Stelle, sagt Pernkopf. Da der Wolf Siedlungen in Langschlag im Bezirk Zwettl öfters nahe kam, sind seit Dienstag erste Maßnahmen erlaubt. Wie berichtet, will man mit Gummiprojektilen und Schreckschüssen den Wolf verjagen. Bis Jahresende sind die Bescheide der Bezirksbehörden Gmünd und Zwettl gültig. Doch das geht Pernkopf nicht weit genug. „Es geht um Hausverstand, Vernunft und Sicherheit. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Erhaltungszustand von der EU überprüft wird“, erklärt Pernkopf.

Kritisch äußert sich dazu Christian Pichler vom WWF: „Sachlich zu informieren, ist keine Fleißaufgaben, sondern zwingende Pflicht der Behörde“. Die sogenannten Vergrämungsmaßnahmen seien – wenn überhaupt – nur in Kombination mit einem Herdenschutz erfolgreich. „Dieser muss endlich forciert werden“, sagt Pichler. Man wolle nur von Versäumnissen der Landwirtschaftskammer ablenken. „Wenn Wölfe trotz eines Zauns in das Gehege gelangen, hört sich der Spaß auf“, kontert Pernkopf.