Johann Zappa Cermak und seine Söhne verstehen die Welt nicht mehr.

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Schrems
08/03/2016

Kurioser Streit um mystische Steine

Gemeindearbeiter in Schrems ließen altes Gewölbe einstürzen / Bürgermeister plant jetzt einen Wiederaufbau.

von Jürgen Zahrl

Das mystische Waldviertel ist einerseits um eine Attraktion ärmer, andererseits um eine kuriose Kontroverse reicher. Nachdem Gemeindearbeiter in Schrems im Bezirk Gmünd ein bekanntes Steingewölbe im Park kontrolliert einstürzen ließen, weil laut Bürgermeister Karl Harrer "Gefahr in Verzug" bestand, ist jetzt ein Wiederaufbau angedacht. Dafür erntet er von einigen Bürgern Kopfschütteln und Unverständnis: Während der bekannte Schremser Bluesmusiker Johann Zappa Cermak von der Zerstörung eines mehr als 4000 Jahre alten Kulturguts spricht, will der Stadtchef nur von einem alten Kellergewölbe aus den 1960-er Jahren wissen.

Fakt ist, seit Jahren sind diese Gebilde in Schrems ein Teil des mystischen Waldviertels. In Wanderführern und Büchern werden sie als "Dolmen" (Steintische) und "Tumulus" (rundbogenförmiges Steingewölbe) beschrieben. Bei Letzterem handelt es sich "vermutlich um eine ehemalige Grab- bzw. Kultstätte", steht in einer Broschüre der Stadt zu lesen. Jetzt blieb vom Tumulus aber nur ein Steinhaufen zurück.

Cermak und seine Söhne sind empört: "Vor ein paar Tagen wollte ich ihnen diese beeindruckenden Steingebilde im Stadtpark zeigen. Was wir sahen, hat uns die Sprache verschlagen. Das nenne ich Kulturgutschändung", sagt Cermak und kritisiert das Vorgehen: "Weil sich angeblich ein einziger Stein gelöst hat, wurde gleich alles zerstört. Es hätte auch rund um die gesamte Stelle ein ordentlicher Zaun genügt", meint Cermak.

Felsen gelöst

Bürgermeister Karl Harrer kann die Aufregung nicht verstehen: "Es geht um ein altes Kellergewölbe, das zu einem 1960 abgerissenen Gebäude gehörte und durch die jahrelange Mystik-Welle im Waldviertel den Namen ,Tumulus’ erhielt." Im vorigen Mai hätte sich ein besorgter Familienvater gemeldet, der berichtete, dass sich ein Felsen aus dem Steingebilde gelöst hätte. "Es bestand also Gefahr in Verzug. Daher wurde unverzüglich eine Sperre errichtet. Da sich dort trotzdem laufend Kinder aufhielten und durch starke Regenfälle im Juli ein weiterer Stein löste, haben dann Gemeindearbeiter das Gewölbe kontrolliert zum Einsturz gebracht", erklärt Harrer und kündigt im KURIER den Wiederaufbau anhand von Bilddokumentationen durch Fachleute an.

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