Chronik | Niederösterreich
12.01.2018

Kunstwerke bei 820 Grad

Manuela Riemel ist ausgebildete Porzellanmalerin und fertigt feinste Miniaturen.

Der Retzer Hauptplatz (Bezirk Hollabrunn) besticht unter anderem mit einem kunstvollen Durchfahrtsbogen. Das Steingewölbe aus Quadern ist nach seiner Form in die Zeit um 1300 einzuordnen. In diesem Schwibbogen hat Manuela Riemel ihr kleines Geschäft eingerichtet. Sie ist ausgebildete Porzellanmalerin und hat sich vor 15 Jahren selbstständig gemacht.

Riemels Talent wurde schon früh erkannt. "Mein Lehrer hat immer gesagt, ich muss etwas Künstlerisches machen, aber ich hab das damals immer abgetan", erzählt die 48-Jährige. Nach der Schule entschied sie sich für eine Säckler-Lehre (Lederschneiderei). "Erst durch Zufall bin ich dann auf die Annonce von der Manufaktur Augarten gestoßen", sagt Riemel weiter. Sie wurde dann zur Porzellanmalerin ausgebildet und blieb dort für einige Jahre.

"Nebenbei hatte ich schon daheim einen eigenen Brennofen und irgendwann kam der Entschluss, dass ich mich selbstständig machen möchte", fährt sie fort. Nachdem sie verschiedene Ausstellungen machte, wurde die Selbstständigkeit zum Selbstläufer und sie kehrte in ihre Heimat zurück, wo sie das kleine Geschäft in Retz übernahm – zuerst gemeinsam mit einer Freundin, seit vier Jahren betreibt sie es nun alleine.

Miniaturmalereien

"Das meiste fertige ich nach Bestellungen an. Diese reichen von Porträts über Logos bis zu Miniaturmalereien oder kleine Figuren", sagt Riemel. Gemalt wird auf Vasen, Platten oder Services – alle Formen, die es aus Porzellan eben gibt. Das Porzellan bestellt sie aus Deutschland. Für die Bemalung wird das Farbpulver mit Terpentin aufgerieben und dann mit Fehhaarpinseln (mit Eichhörnchen-Haaren) aufgetragen. Gebrannt wird dann bei 820 Grad.

Porträts, die auf Porzellan gemalt werden, müssen etwa 20 Mal gebrannt werden, damit die gewünschte Tiefenwirkung entsteht. Dementsprechend lange können die Bestellungen auch dauern – die durchschnittliche Wartezeit beträgt zwei Monate. Dafür nimmt Riemel die Kundenbetreuung sehr wichtig. "Nur durch persönliche Gespräche passieren persönliche Dinge", ist sie überzeugt.

Den Großteil der handwerklichen Arbeiten und das Brennen erledigt sie in ihrer Wohnung. Wenn Riemel aber in ihrem Geschäft Kleinigkeiten malt, bleiben Touristen stehen und sehen ihr zu. "Es ist so eine schöne Arbeit, die Kreativität mit Handwerk verbindet. Es ist schade, dass das in Vergessenheit gerät", sagt Riemel.