Chronik | Niederösterreich
29.10.2017

Kulinarische Rückkehr zu den Wurzeln

Als Pöchlarnerin hat Ursula Strauss einen Gastro-Geheimtipp in der Region: das Hotel zur Post in Melk.

Um zu wissen, dass der November vor der Tür steht, braucht man in Melk dieser Tage keinen Kalender: Die dichten Nebelschwaden kündigen den mystischen Monat bereits an. Ursula Strauss findet das "herrlich": die Vorfreude steht ihr tatsächlich ins Gesicht geschrieben.

Hier im Hotel Post ist es wohlig warm, Musik trällert leise im Hintergrund. Aus der Küche schweben regionale Schmankerl wie etwa das ausgelöste Backhenderl mit Erdäpfel-Vogerlsalat. Die Schauspielerin hat den Zwiebelrostbraten gewählt. Der wird hier noch "so richtig" zubereitet, wie die Wirtin Margret Ebner beschreibt: "Die Grundsoße dafür wird stundenlang mit Knochen, Gemüse, Rotwein und Gewürzen angesetzt."

Derzeit finden hier im Restaurant die "Wilden Tage in der Post" sowie das traditionelle Gans’l-Essen statt. Das Haus im Melker Ortszentrum ist bereits seit 1893 und somit in vierter Generation im Familienbesitz. Gemeinsam mit ihrem Mann Johannes hat Margret Ebner vor 25 Jahren beschlossen, die damalige Fleischerei völlig umzubauen. Heute ist das Hotel zur Post ein Vier-Sterne-Betrieb mit 60 Betten. Im angeschlossenen Eissalon ging Ursula Strauss schon als Jugendliche gern auf ein Eis. Nebenan im alten Kino stand sie zum ersten Mal selbst auf der Bühne: Als Lady Macbeth leckte die Pöchlarnerin damals Schauspiel-Blut.

Heute ist Strauss eine der gefragtesten österreichischen Schauspielerinnen – den Bezug zur Heimat hat sie dadurch aber nicht verloren. "Die Ursula ist ja jetzt viel unterwegs, aber ab und zu schaut sie doch noch bei uns vorbei, gerne auch bei Familienfesten", erzählt Wirtin Margret Ebner. Zum Feiern eignet sich das Hotel zur Post wahrlich recht gut: Feste mit bis zu 40 Personen können in den eigenen Räumlichkeiten abgehalten werden.

Strauss hat momentan wenig Zeit zum Feiern, die Dreharbeiten zur sechsten Staffel "Schnell ermittelt" beherrschen ihren Alltag. Nebenbei organisiert sie ihr eigenes Festival: "Wachau in Echtzeit" bringt im düsteren November Leben in die Wachau. Neben den Gästen liegen Ursula Strauss dabei auch die Künstler am Herzen – auch sie sollen am Festival Freude haben. Denn "wenn es die Kunst mal nicht mehr gibt in einer Gesellschaft, dann sieht diese Gesellschaft sehr traurig aus", sagt die Schauspielerin mit ernster Miene.

Sorgfalt und Herzblut

Was auch immer sie tut, Ursula Strauss gibt sich ihrer Arbeit voll hin. Die 43-Jährige macht keine halben Sachen. Mit Feingefühl und Hingabe geht sie an ihre Rollen heran, durchleuchtet Persönlichkeiten und scheint dabei ein Stück weit tiefer zu graben als andere. "Da eröffnet sich eine unendliche Welt an Spannungen und Energien, an Emotionen und Beziehungen", sagt sie. Beim Dreh lässt Strauss Sorgfalt walten, "da wird nicht geschludert".

Wer mit so viel Herzblut an die Arbeit herangeht, ist auch verletzlich. Dass sie bei Film- und Fernsehproduktionen nicht die Reaktion eines jeden Zusehers sieht, ist der Schauspielerin gar nicht unangenehm. Bei Filmpremieren selbst im Kino zu sitzen, beschreibt Strauss als viel zu intensiv: "Man fürchtet sich fast vor den Reaktionen. Werden die Menschen lachen? Können Sie was damit anfangen? Ich bin da viel zu aufgeregt", gibt sie zu und nimmt einen Schluck vom Soda-Zitron.

Als sie das Hotel zur Post nach dem Essen verlässt, hat sich der Nebel verzogen. Das Stift Melk, eine Stunde zuvor noch in ein Nebelkleid gehüllt, erstrahlt nun im satten Gold der Abendsonne. Am Zebrastreifen steht dann eine deutsche Radtouristin neben Ursula Strauss, die sich kaum mehr halten kann: "Sie kenn’ ich doch! Sie sind die Frau Kommissarin", ruft die Frau und schon steht Strauss eingereiht zwischen Radfahrern zum Foto parat, auf ihren Lippen ein breites Grinsen.