© Francois Pisapia

Chronik Niederösterreich Krems
11/05/2021

Kritische Beobachter unserer Zeit in der Landesgalerie Krems

Umfassende Werkschau "Viva Archiva!" gibt Einblicke in die Archive des Künstlerpaars Helmut und Johanna Kandl.

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Eine schier unüberschaubare Welt aus zahllosen Fotografien, Gemälden, Videos, Texten und gesammelten Gegenständen aus dem Archiv von Helmut und Johanna Kandl zeigt die Landesgalerie Niederösterreich in Krems in der Schau "Viva Archiva!". "Das Künstlerpaar ist ein kritischer Beobachter unserer Zeit", so Kurator Günther Oberhollenzer.

Tausende Bücher

Multimediale Settings, thematische Vielfalt und oft auch eine Portion spielerische Ironie machen den Ausstellungsrundgang zu einer unerschöpflichen Fundgrube, in der "Forschung und künstlerische Arbeit sich mit persönlichen Geschichten zur großen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte verbinden", konstatiert Christian Bauer, künstlerischer Direktor der Landesgalerie. Und Oberhollenzer, der bereits 2015 eine Personale zu Johanna Kandl im Essl Museum gestaltet hat, ergänzt das Faszinosum ungebrochenen Interesses, "Neues zu entdecken und sich fern von irgendwelchen Moden oder Trends der zeitgenössischen Kunstszene ganz auf ihr Gespür zu verlassen".

Die ausgestellten Objekte seien großteils "Relikte aus Projekten", erklärte Helmut Kandl bei der Presseführung am Freitag. Hunderttausende Fotos, tausende Bücher, circa 2.000 Stunden an Videomaterial, Zeitungsausschnitte, Tonaufnahmen, Objekte, Dokumente von Reisen und eben "Relikte" haben sich zu einem riesigen archivarischen Fundus angesammelt, aus dem heraus Arbeiten entstehen, manchmal auch erst nach Jahren.

Helmut Kandl (vormals Schäffer), Gefundenes Fressen, 1990

Helmut & Johanna Kandl, L’Education de Rosette, 2012

Helmut & Johanna Kandl, Viva Archiva!, 2021

Johanna Kandl, Farbenhandlung Brünner Straße 165, 2009

Johanna Kandl, „Preußischblau und Oxidgelb (Koreaner auf der Baustelle in Wjasma)“, 1996

Johanna Kandl, O.T., 1980, Tempera auf Papier

Johanna Kandl berichtet: "Ich sehe zum Beispiel auf der Straße einen armen Sessel stehen und frage ihn, ob er nicht mit mir kommen will. Ich könnte ihn ja in ein Museum bringen." Doch nicht nur alte Sessel erwecken das Interesse der Kandls, sondern überhaupt alles, was leicht zu übersehen wäre. Kleinhändler etwa kommen immer wieder vor. Johanna Kandl: "Weil sie keine Lobby haben." Und so wird immer auch Mitgefühl für Menschen und Dinge abseits der allgemeinen Wahrnehmung spürbar.

Auch in Graz

Der Humor kommt dabei nicht zu kurz, wie in einem Bild samt Legende zum Wallfahrtsort Maria Laach mit der Sechsfingermadonna, uminterpretiert zum "Wallfahrtsort der erfolglosen Künstler." Erfolglos sind die Kandls keinesfalls, richtet doch das Kunsthaus Graz dem Ehepaar eine weitere Ausstellung aus ("Palette", von 26. November 2021 bis 13. März 2022). In Kooperation mit Graz ist ein opulentes Kunstbuch erschienen, das über einen reinen Katalog weit hinausreicht.

Manchmal zeigt sich die tiefgründig irisierende Seite des scheinbar Schelmischen. Es ärgere sie, sagt Johanna Kandl, dass man Kinder durch die Pädagogik mit dem absoluten Wahrheitsanspruch konfrontiere. "Was ist schon wahr? Und wie viele Wahrheiten ändern sich im Lauf der Zeit!" Eine Zeichnung zeigt ein Mädchen, daneben steht geschrieben: "Wenn ich groß bin, werde ich Terroristin." Johanna Kandl lächelt: "Ist aber leider nicht gelungen." Gelungen ist dem Paar hingegen ein beeindruckendes Gesamtwerk, das sich in Krems in exemplarischer und doch reichhaltiger Weise erschließt.

Noch bis 20. Februar 2022 zeigt die Landesgalerie Niederösterreich, in Krems noch "Helmut & Johanna Kandl. Viva Archiva!". Alle Infos: lgnoe.at

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