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Chronik Niederösterreich Krems
11/05/2021

Justizanstalt Stein: Nach Selbstmord in videoüberwachter Zelle wird ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Krems hat Obduktion angeordnet. Das sei ein übliches Verfahren, heißt es laut Staatsanwaltschaft Krems.

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Nach dem Suizid eines Häftlings in der Justizanstalt Stein ermittelt die Staatsanwaltschaft Krems. Geprüft wird, ob Fremdverschulden vorliegt. Eine Obduktion wurde angeordnet, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, Franz Hütter, am Freitag auf Anfrage Medienberichte. Es handelt sich den Angaben zufolge um ein übliches Vorgehen nach dem Selbstmord eines Insassen. Angehörige des 42-Jährigen orten Medienberichten zufolge systemisches Versagen im Maßnahmenvollzug.

Der Mann war 2017 wegen gefährlicher Drohung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt worden und hatte vor kurzem einen Suizidversuch unternommen, wurde berichtet. Zuletzt war der Insasse laut Hütter in einer videoüberwachten Einzelzelle untergebracht, wo er am 24. Oktober Selbstmord beging.

Um intensive Behandlung gekämpft

Bereits 2019 hatte laut Standard ein Gutachter die Entlassung in ein betreutes Wohnen empfohlen, dem gegenüber stand laut Anwältin Astrid Wagner eine Stellungnahme des psychologischen Dienstes der Justizanstalt Stein, die sich für den Verbleib des Mannes in Haft aussprach. "Eine adäquate Betreuung hat er in den Justizanstalten nicht bekommen", wurde Wagner zitiert. Mit ihrer Hilfe habe die Familie des Häftlings mehrere Jahre für dessen Freilassung und eine intensivere Behandlung gekämpft. Ein externer Psychiater, den die Angehörigen organisiert hatten, habe laut Wagner ab dem Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr in die Haftanstalt dürfen, wie auch die Gratiszeitung Heute berichtete. "Selbstverständlich wurde der Insasse der Justizanstalt Stein engmaschig betreut", teilte das Justizministerium laut Standard mit.

Nach Ansicht der Angehörigen des Mannes war die psychologische Betreuung zu wenig. Sie wollen nun mit regelmäßigen Mahnwachen vor der Justizanstalt Stein auf systemische Mängel im Maßnahmenvollzug hinweisen.

HINWEIS:

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

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