ÖVP-Ärger über geschobene Bildungsprojekte in Krems

Mehreren Bildungseinrichtungen in Krems haben Investitionsbedarf. Verzögerungen bei der Umsetzung sorgen bei der ÖVP für Unmut.
Florian Kamleitner steht vor dem Kindergarten und einer Containerklasse auf einer braun-grünen Wiese.

9.40 Uhr an einem Dienstag. Die Eingangstür der Volksschule Lerchenfeld schwingt auf, heraus strömen in Jacken verpackte Kinder. Teils lachend, teils schreiend toben sie über den gepflasterten Platz vor dem 50er-Jahre-Bau. "Pausenzeit", kommentiert Florian Kamleitner die Szene. Der Kremser Vizebürgermeister (ÖVP) hat die Bildungseinrichtung in seiner Jugend selbst besucht, seither habe sich die Anlage äußerlich kaum verändert. Ein Umstand, den Kamleitner kritisiert.

Die Gemeinde hat sich bereits auf mehrere Investitionen im Bildungsbereich geeinigt. Unter anderem sollen in Lerchenfeld Volksschule, Kindergarten und Nachmittagsbetreuung über den Parkplatz hinweg zu einem Campus verschmolzen werden. Geplant ist, Unterricht und Betreuung unter einem Dach anzubieten. Das frei werdende, an den Kindergarten grenzende Gebäude, stehe dann für die Elementarpädagogik zur Verfügung. So soll Platz für die aktuell in einem Container untergebrachte Gruppe sowie eine zusätzliche sechste Gruppe geschaffen werden.

"Zwei verlohrene Jahre"

Es handelt sich vorwiegend um Maßnahmen, die das Angebot verbessern sollen. Konkrete Mängel am Gebäude liegen nicht vor – anders als in Rehberg. Hier ist das Dach sanierungsbedürftig, zum Schutz vor potenziell herunterfallenden Schindeln wurden Auffanggitter montiert. Eine Kindergartengruppe wird seit Anfang 2024 im Container betreut. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt Kamleitner.

Auch in Rehberg ist ein neuer Campus für Elementarpädagogik und Primarstufe angedacht. Die Neugestaltung sei bereits 2022 im Wahlprogramm des damaligen Bürgermeisters Reinhard Resch versprochen worden. Eine Ausschreibung für den Bau hätte bereits passieren sollen, findet der Kommunalpolitiker. Er spricht von einer falschen Prioritätensetzung seitens der Gemeinde, die die Sanierung der Dominikanerkirche weiter vorantreibe, während sich Arbeiten an den Bildungseinrichtungen verzögerten. Das betreffe ebenfalls Gebäude in Stein und Egelsee. Es handle sich um „zwei verlorene Jahre für die Kinder im Bereich der Bildung“, sagt Kamleitner.

Zeitplan steht weiterhin

Den Zusammenhang zwischen der Dominikanerkirche und Verschiebungen in der Bildungsstrategie weißt Bürgermeister Peter Molnar (SPÖ) entschieden zurück. Änderungen in der Planung erklärt der Stadtchef mit umgesetzten Anpassungen nach jährlichen Evaluierungen, die sich am derzeitigen Bedarf orientieren. Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert und die Planungsphase der Großprojekte wurde – unter anderem aufgrund der Komplexität – um ein Jahr verlängert. An der Höhe der Investitionen und am grundsätzlichen Zeitplan werde jedoch weiterhin festgehalten. Die Arbeiten an allen Standorten sollen wie geplant bis 2033 abgeschlossen sein.

Bei Bedarf werden notwendige, kostengünstige Adaptierungsmaßnahmen vorgezogen, um den ganztägigen Schulbetrieb sicherzustellen. Die Reihenfolge der Bildungsprojekte sowie der Zeitrahmen seien zuletzt im Rahmen der Steuerungsgruppe Budget 2026 im vergangenen Herbst ausführlich behandelt worden. Alle im Gemeinderat vertretenen Fraktionen hätten den neuen Zeitplan damals widerspruchslos zur Kenntnis genommen, hält Bürgermeister Molnar fest.

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