Kohlenmonoxid-Vergiftung: Rettung in letzter Sekunde

Eine defekte Therme führte in Wr. Neustadt fast zur Katastrophe. Ein Nachbar konnte vier Menschen retten, darunter ein Baby.

Erst vor acht Tagen mussten drei Kinder in Perchtoldsdorf, Bezirk Mödling, nach einem Gasaustritt mit Vergiftungen ins Spital. Mittwochabend folgte für die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt ein ähnlicher Einsatz, auch sie wurden zu Lebensrettern in letzter Sekunde. Eine defekte Gastherme verursachte das Ausströmen von Kohlenmonoxid (CO), einem unsichtbaren und tödlichen Gas.

Gegen 22 Uhr schlägt ein Mann in der Fischauergasse Alarm, dass seine Nachbarn auf Klopfen an der Haustür nicht mehr reagieren würden. Geistesgegenwärtig wählt er den Notruf, Rettung, Notarzt und Feuerwehr machen sich auf den Weg. Währenddessen bricht der mutige Mann ein Kellerfenster auf und öffnet den Einsatzkräften von innen die Tür zum Einfamilienhaus.

Als die Helfer am Notfallort eintrafen, schlugen ihre mobilen Kohlenmonoxid-Messgeräte an: Der CO-Wert lag bereits im lebensbedrohlichen Bereich. Sanitäter und Nachbar mussten das Haus verlassen, um nicht selbst Gas-Opfer zu werden.

Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Daniel Bugnar, kam mit seiner Mannschaft gerade noch rechtzeitig. "Wir sind mit neun Kameraden sofort ins Haus und haben die Familie gesucht." Mit schwerem Atemschutz ausgerüstet, fanden die Einsatzkräfte schließlich den vier Monate alten Sohn Niklas vor. "Er war schon ganz ruhig, hat nicht geweint. So ein Verhalten ist immer ein Alarmzeichen", erklärt Bugnar. Auch seine Eltern, Geanina W. und Harald W. sowie eine gemeinsame Freundin können in letzter Sekunde gerettet werden.

"Sie waren bewusstlos", sagt Bugnar. Vor dem Haus übernahmen Notarzt und Sanitäter die medizinische Versorgung. Alle Opfer wurden ins Landesklinikum Wiener Neustadt gebracht. Der EVN-Notdienst stellte eine schadhafte Therme im Keller als Ursache für den Vorfall fest.

Massive Vergiftung

Während sich der kleine Niklas bereits auf dem Weg der Besserung befindet, hat es die Erwachsenen Gas-Opfer schlimmer erwischt. "Sie sind mit Notarztwägen in die Druckkammer nach Graz überstellt worden", erklärt Stefan Spielbichler von Notruf 144. Sie erlitten massive CO-Vergiftungen.

Für Bugnar war es nicht der erste Einsatz dieser Art im heurigen Winter. "Kohlenmonoxid-Vergiftungen kommen immer wieder vor. Rund zehn Mal pro Jahr müssen wir zu derartigen Notfällen ausrücken. Aber heute war es brenzlig", schildert der Feuerwehrmann. Und ergänzt im selben Atemzug: "Aber das ist eben unser Job."

( Kurier ) Erstellt am 23.12.2011