Kobras flüchteten von Hanfplantage

Feuer sind eine brenzelige Angelegenheit. © Bild: FF Gansbach

Entwischte Giftschlangen, Kampfhunde, Drogen: Nach einem Brand muss ein 43-Jähriger mit Anzeigen rechnen.

In der Region um den Dunkelsteinerwald im Bezirk Melk gab es am Mittwoch nur ein Thema: Das Feuer im Haus eines 43-Jährigen, das tags zuvor für einen spektakulären Feuerwehreinsatz gesorgt und die Drogenermittler des Landeskriminalamtes ( LKA) auf den Plan gerufen hatte.

Dienstag gegen 18 Uhr wollten die Einsatzkräfte in den Wirtschaftstrakt des Anwesens vorrücken. Doch sie machten schnell kehrt, als sich herausstellte, dass ein Schlangenterrarium aufgrund der Hitzeeinwirkung geborsten war. Zwei hochgiftige Taipan, eine Monokelkobra und vier kleine, ebenfalls giftige Bambusottern krochen herum. Erst als ein Spezialist die Tiere eingefangen hatte, konnte "Brand aus" gegeben werden. "Es war ein sehr gefährlicher Einsatz", erzählt Manfred Stockinger von der Feuerwehr Gansbach.

"Die Schlangen waren aufgrund der Kälte schon ganz steif", berichtet Justizbeamter und Schlangenfachmann Georg Jachan, der die Tiere einsammelte und sie derzeit aufbewahrt.
Dass ein ungewöhnlich süßlicher Geruch über der Ortschaft lag, war auch kein Zufall. Denn der Verdächtige, ein erfolgreicher Thaiboxer, hatte eine Cannabis-Plantage in seinem Haus errichtet. Bei einem Notstromaggregat für die Anlage dürfte das Feuer ausgebrochen sein. Hunderte Setzlinge konnten von der Polizei sichergestellt werden. Franz Haubenberger von der Polizeiinspektion Loosdorf transportierte am Mittwoch die Drogen ab, sie sollen in einem Labor untersucht werden, die weiteren Ermittlungen übernahm das LKA.
In der Nachbarschaft ist die Aufregung jedenfalls groß. "Der Mann hat ziemlich abgeschottet gelebt", erzählt Margit Siebenhandl.

Anzeigen-Flut

Das Cannabis wurde von der Polizei sichergestellt.
© Bild: Franz Hagl

Der 43-Jährige, der bei dem Brand eine Rauchgasvergiftung erlitt, muss jetzt mit einer Flut von Anzeigen rechnen. Nicht nur, dass er die Schlangen nicht hätte besitzen dürfen, auch für seine zwei Kampfhunde hat er keine Genehmigung, heißt es seitens der Gemeinde. Und über die Sache mit der Plantage wird auch nicht so schnell Gras wachsen.

Eine Sicherheitslücke alarmiert St. Pöltens Branddirektor Dietmar Fahrafellner. Selbst behördlich gemeldete gefährliche Tiere seien der Feuerwehr nicht bekannt. "Da kann ein Einsatz leicht zum Russischen Roulette werden. Ich weiß zwar von jedem Ölfassl in der Stadt, aber nicht, ob wo Giftschlangen lauern."

Erstellt am 05.01.2012