Chronik | Niederösterreich
15.05.2015

Klosterneuburg hat Herz für Flüchtlinge

Mit Benefizkonzert und anderen Aktionen will man Betreuung absichern.

Die Zeit drängt. Ende Mai sollen die bis zu 250 Flüchtlinge aus der Magdeburgkaserne in Klosterneuburg ausziehen. Der Vertrag zwischen Innen- und Verteidigungsministerium, der eine zeitlich-begrenzte Erstaufnahme für Asylwerber regelt, endet. Zudem hat das Areal seit Anfang Mai einen neuen Eigentümer, das Stift. Doch im KURIER-Interview, sagt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, dass man sich um eine Verlängerung der Nutzung der Kaserne bemühe.

Unabhängig von diesem Zeitdruck lassen sich die Bürger in der Stadt nordwestlich von Wien nicht entmutigen: Bereits heute, Freitag, findet am Abend ein Benefizkonzert, der "Refugees Welcome Jam", zugunsten der Asylwerber statt. "Jene, die das Lager verlassen müssen, werden verabschiedet, die Neuen herzlichen willkommen geheißen", erklärt Johannes Gatterer, einer der Organisatoren.

Den Flüchtlingen möchte man eine kleine Ablenkung vom tristen Lageralltag bieten sowie die Chance zum gegenseitigen Kennenlernen schaffen, um Vorurteile abzubauen. "Denn durchs Reden kommen die Leut zam", ist Gatterer zuversichtlich.

500 Unterschriften

In Klosterneuburg ziehen auch mehrere Vereine mit. Die Fanclubs des Basketballvereins haben bereits eine Unterschriftenaktion initiiert. Mehr als 500 Personen haben die Petition für den Verbleib der Flüchtlinge in ihrer Stadt unterschrieben. Man will auch jene zurück, die bereits in anderen Gemeinden untergebracht wurden. Vor allem dort, wo sich Freundschaften entwickelt haben. Auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass nicht allen geholfen werden kann, möchte man zumindest einen Teil der Asylwerber in der Stadt halten.

Gleichzeitig wird das Thema auf politischer Ebene behandelt. Der Gemeinderat hat einem Antrag zugestimmt, der die Schaffung von Asylplätzen vorsieht. Das Ziel: 200 Betreuungsplätze für die langfristige Begleitung und Integration.

Strategie gesucht

Die Bürgerinitiative "Klosterneuburg hilft" erarbeitet derzeit eine Liste mit Vorschlägen, wie das Ziel erreicht werden kann. In der ersten Sitzung am kommenden Mittwoch soll die Strategie festgelegt werden. "Die Stadt bekennt sich ohne Zweifel zu diesem Ziel", sagt Sozialstadtrat Stefan Mann. Er hält jedoch fest: "Als Gemeinde allein werden wir das nicht schaffen." Deswegen wird in den Prozess auch das Land eingebunden.

Seitens des Stiftes hält man sich zu einer allfälligen Verlängerung des Vertrages bedeckt. Dieser sei mit dem Verteidigungsministerium beschlossen worden. Auch mit leer stehenden Gebäuden kann man nicht dienen. Allerdings werde mit der Caritas an einem Notwohnungsprojekt gearbeitet.