© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Niederösterreich
04/18/2020

Kleine Unternehmen: "Aufsperren war das absolut Richtige"

Wie kleine Unternehmen der Krise trotzen und sich mit Flexibilität gegen die großen Riesen behaupten.

Für gewöhnlich werden den großen Einkaufszentren die Türen eingerannt und online profitieren meist nur die internationalen Konzerne wie Amazon und Co.. Doch in Zeiten der Krise ist alles anders, und so zeigt sich an den ersten Tagen der Wiederöffnung, dass vor allem kleinere Geschäfte mit besonderem Service und Angeboten punkten können.

Einen solchen Eindruck erweckt zumindest ein Streifzug durch die sonst so krisengebeutelte Innenstadt der 45.000-Einwohner-Stadt Wiener Neustadt. Während die Fußgängerzonen in den vergangenen Jahren gegenüber den großen Shoppingcentern das Nachsehen hatten, gibt es in Zeiten des Shutdown eine umgekehrte Rollenverteilung.

„Die Frequenz liegt über dem Erwarteten“, ist vom Bekleidungsgeschäft bis zum Papierfachhandel zu vernehmen.

„Ich profitiere sicher davon, dass die Großen noch zu haben“, meint Rudolf Kuderna, Innenstadt-Platzhirsch des Papierfachhandels. Das dürfte auch für andere Branchen gelten. In der Bücherei Hikade spricht man von einem „fast weihnachtlichen“ Geschäft.

Die Buchhandlung hat den Verkauf in den letzten Wochen mittels Bestellungen abgewickelt. Auch jetzt kämen viele nur, um schnell ein bestelltes Buch abzuholen, erklärt Mitarbeiter Maximilan Huber. Aktuell hätten die Menschen einfach mehr Zeit für das, was sonst in den Hintergrund rückt.

„Die Frequenz ist zwar geringer als sonst, aber die Stimmung dafür schon sehr positiv“, erzählen die Optiker Daniela und Manfred Schermann. Auf Abruf für wichtige Reparaturen waren sie auch in den letzten Wochen verfügbar, dennoch freuen sie sich, wieder im Geschäft stehen zu können. Der direkte Kontakt zum Kunden mache es aus. „Wieder etwas, was gegen die großen Onlineriesen und für die kleinen Unternehmen spricht“, so die Schermanns.

Der Tenor ist jedenfalls durchwegs derselbe: „Jetzt wieder aufgesperrt zu haben, war die absolut richtige Entscheidung, denn: Wir brauchen jeden Umsatz“, bringt es Manfred Schermann auf den Punkt.

Barbara Neumann-Schramböck bereut es nicht, wieder geöffnet zu haben.

Daniela und Manfred Schermann dürfen wieder in ihrem Geschäft stehen.

In der Wollstube von Magda Heckenast (re.) herrscht rege Nachfrage

Am Wiener Neustädter Marienmarkt: Blumenhändlerin Michaela Postl und Mitarbeiterin Raphaela bedienen Walter und Pia Baumgartner

In der Bücher-Hikade von Esther Poppinger (2.v.re): Kunde Friedrich Schneider, Mitarbeiter Maximilian Huber und Kundin Eva Breitsching

Rudolf Kuderna profitiert mit seinem Papierfachhandel davon, dass die großen Ketten ihre Filialen in der Wiener Neustädter Innenstadt noch geschlossen halten

Das merkt auch Barbara Neumann-Schramböck in ihrem Teehaus Indolero. „Die Leute dürften zurzeit mehr Tee trinken“, schmunzelt sie. Die Tage seit der Wiederöffnung haben vor allem die Stammkunden genutzt. Die Zeit bis zur Öffnung hat sie mit ihrem Online-Shop überbrückt, der habe zwar nicht alles wettmachen können, aber zumindest einen Teil.

Versand statt Online-Shop

Damit geht es ihr wie vielen Unternehmern in der Stadt. Wer keinen Online-Shop hatte, hat einen eingerichtet oder auf den Versand nach telefonischer Bestellung gesetzt – etwa die Wollstube von Magda Heckenast. „Wir haben viele Pakete verschickt“. Nach den ersten Tagen bilanziert sie: „Das Geschäft ist gut, die Nachfrage ist da.“

„Der Umsatz müsste jetzt doppelt so hoch sein, aber man freut sich über alles, was reinkommt“, fasst Blumenhändlerin Michaela Postl zusammen. „Man merkt, die Leute freuen sich, dass wir wieder da sind, viele schätzen die Qualität“, fügt sie hinzu. Dem können sich andere Branchen nur anschließen.

„Die Frequenz ist zwar geringer als sonst, aber die Stimmung dafür schon sehr positiv“, erzählen die Optiker Daniela und Manfred Schermann.  Auf Abruf für wichtige Reparaturen waren sie auch in den letzten Wochen verfügbar, dennoch freuen sie sich, wieder im Geschäft stehen zu können.

Der direkte Kontakt zum Kunden mache es aus. „Wieder etwas, was gegen die großen Onlineriesen und für die kleinen Unternehmen spricht“, so die Schermanns.

Der Tenor ist jedenfalls durchwegs derselbe: „Jetzt wieder aufgesperrt zu haben, war die absolut richtige Entscheidung, denn:  Wir brauchen jeden Umsatz“, bringt es Manfred Schermann auf den Punkt.

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