Opferstöcke, Rosenkränze, Hostien: Duo plünderte 45 Kirchen

Das junge Paar erbeutete mindestens 2.800 Euro. Sie wurden nicht rechtskräftig zu 18 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.
Glasmalerei in Kirche

Es klingt wie der Stoff für einen Film: Ein 27–Jähriger und eine 21-Jährige brachen im Herbst 2025 mit ihrem Auto nach Österreich auf. Sie hatte die Slowakei noch nie verlassen, er wollte ihr andere Länder zeigen. Doch der Ausflug endete an einem anderen Ort, als das Paar vermutlich geplant hatte - zunächst in Untersuchungshaft und am Donnerstag schließlich vor dem Landesgericht Krems.

Das Duo musste sich wegen gewerbsmäßigen schweren Diebstahls verantworten. Grund dafür waren ihre Zwischenstopps auf den Fahrten durch Niederösterreich. Die beiden Angeklagten hielten bei mehreren Kirchen, um die Opferstöcke zu leeren und gelegentlich auch Devotionalien zu entwenden. 

45 Kirchen bestohlen

Die Tatserie in Gotteshäusern soll zufällig begonnen haben, gab der 27-Jährige zu Protokoll. Die beiden hätten im September eine Kirche besucht, um zu beten. Dabei sei dem Angeklagten der Zipfel einer Banknote ins Auge gestochen, der aus einem Opferstock ragte. "So ist die Idee entstanden", übersetzte ein Dolmetscher die Worte des jungen Mannes.

In Niederösterreich begann die Diebesserie im Raum St. Pölten. Straftaten in 45 Kirchen konnten den beiden mittels DNA-Spuren, Zeugenaussagen oder zeitlicher beziehungsweise örtlicher Zusammenhänge zugeordnet werden, so die Richterin. Im Zuge der Ermittlungen wurde eine Vielzahl an Werkzeugen sichergestellt. Diese habe der 27-Jährige laut eigener Aussage teilweise für die Taten genutzt, jedoch hauptsächlich für Reparaturen besessen.

Die Angeklagten erbeuteten in Niederösterreich diverse Gegenstände, darunter Rosenkränze, Vorhängeschlösser, Hostien und eine Flasche Zirbenschnaps. Die genaue Höhe des gestohlenen Bargelds ist laut Anklage unklar. Insgesamt entstand ein Schaden von mindestens 2.800 Euro. Darüber hinaus sollen sie in weiteren Bundesländern sowie auch in Deutschland Kirchen geplündert haben.

Aus Habgier gehandelt

Die beiden seien nicht mit der Absicht, in Österreich Straftaten zu begehen, eingereist, so der Angeklagte. Er habe seiner Freundin ursprünglich "schöne Orte im Ausland" zeigen wollen. Über die Frage, wovon sie in Österreich leben wollen, hätten sie nicht nachgedacht. Ihre Ziele habe das Duo zufällig gewählt, einzelne Kirchen hätten sie über Google Maps ausgesucht.

"Warum machen Sie das Ganze", wollte die Richterin wissen. "Am Anfang, um zu probieren, ob es geht. Dann aus Habgier", so der Angeklagte. Es tue ihm alles sehr leid.

Auch seine Komplizin zeigte sich vor Gericht reumütig. Kirchen seien für die 21-Jährige immer Orte des Gebets gewesen. Diese zu beschädigen, habe sie nicht gewollt. Dennoch habe sie mitgemacht und vorwiegend Schmiere gestanden.

Die Angeklagten wurden nicht rechtskräftig zu 18 Monaten Freiheitsstrafe, davon vier Monate unbedingt, verurteilt. Die unbedingten Strafteile gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Das Duo verzichtet auf Rechtsmittel, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

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