30 Jahre Jugendarbeit in Wiener Neustadt: "Bedarf steigt"
Das "Triebwerk" in Wiener Neustadt.
Eine Wiener Neustädter Institution feiert Geburtstag. Seit 30 Jahren wird Jugendlichen im "Triebwerk" Beratung und Unterhaltung geboten, der Trägerverein "Jugend und Kultur" hat sich seit der Gründung zu einem breit aufgestellten Kompetenzzentrum entwickelt.
"Jugendarbeit wird erst sichtbar, wenn sie fehlt", sagt Geschäftsführerin Susanne Marton anlässlich des Jubiläums. Sie sei "unverzichtbar" für die Stadt und "keine freiwillige Zusatzleistung, sondern zentraler Bestandteil der sozialen Infrastruktur." Denn Prävention verhindere in vielen Fällen dramatischere Entwicklungen. Vor allem dann, "wenn Schule, Familie oder andere Systeme nicht mehr tragen." Man biete "keine schnelle Lösung, sondern eine langfristige Stabilisierung", so Marton.
Die Bilanz nach 30 Jahren kann sich sehen lassen. Über 100.000 Kontakte habe die mobile Jugendarbeit des Vereins verzeichnet, 60.000 waren es bei der Suchtberatung. Man hielt rund 1.500 Workshops an Schulen der Stadt, organisierte ebensoviele Veranstaltungen im Triebwerk mit insgesamt mehr als 80.000 Besuchern.
"Mehr Konflikte"
Und die Arbeit sei im Laufe der Jahre wesentlich vielfältiger geworden, sagt Susanne Marton. "Wir haben Teilbereiche und fachliche Schwerpunkte geschaffen. Die Herausforderungen werden größer, es gibt zunehmend mehr Konflikte in Schule, Familie und im öffentlichen Raum." Als Beispiele nennt sie "digitale Lebenswelten oder Radikalisierung." Zukunftsängste seien immer öfter die Folge: "Die Jugendlichen müssen heute einfach mehr aushalten."
"Einsparungen im Bereich der Jugendarbeit verschieben Probleme nur in einen anderen Bereich und kosten daher letztlich oft sogar mehr."
Kompetenzzentrum für Jugendarbeit
Verschiebung des Problems
Von Einsparungen sei die Jugendarbeit in Zeiten angespannter Budgetsituation natürlich ebenfalls betroffen, so Marton. Sie warnt jedoch: "Das trifft genau jene Jugendlichen, die keine oder nur wenige Ausweichmöglichkeiten haben. Daher sind es nicht wirklich Einsparungseffekte, die hier erzielt werden. Denn es passiert nur eine Verschiebung des Problems in einen anderen Bereich wie Psychologie, Medizin oder im schlimmsten Fall Polizei und Gericht. Volkswirtschaftlich macht das also keinen Sinn, ist kurzsichtig und gefährlich."
Besonders gefordert gewesen sei man etwa in der Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2008, im Zuge der Fluchtbewegungen nach Europa 2015, oder durch die Covid-Pandemie, die zu Islolation geführt habe: "Wir sind in solchen Krisen verlässliche Ansprechpartner."
"Jugendliche finden Schutz"
Wiener Neustadts Jugend-Stadtrat Kevin Pfann (FPÖ) dankte dem Verein Jugend und Kultur am Donnerstag als "verlässlichem Partner der Stadt" und nannte beispielhaft 3.600 Kontakte der mobilen Jugendarbeit alleine im letzten Jahr. Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) lobte die Jugendarbeit als "Vorbereitung auf die Zukunft" und wesentlichen Bestandteil der Stadt und versprach: "Diesen engagierten Weg werden wir gemeinsam auch in den nächsten Jahren fortsetzen." Und Landesrätin Eva Prischl (SPÖ) betonte: "Den Schutz, den viele Jugendliche brauchen, finden sie hier. Dafür sind wir dankbar." Die Zahl der vom Land NÖ betreuten Kinder und Jugendlichen sei in den Jahren 2018 bis 2024 um die Hälfte gestiegen.
Bürgermeister Klaus Schneeberger, Susanne Marton (Geschäftsführerin Jugend und Kultur), Landesrätin Eva Prischl, und Stadtrat Kevin Pfann.
Das 30-jährige Bestehen soll im Wiener Neustädter Triebwerk mit einem großen Fest im Oktober gefeiert werden. Ein Sommer-Open-Air, wie in vergangenen Jahren, soll es heuer aber aus Einsparungsgründen nicht geben, kündigt Leiter Conrad Hessler an. Dafür werde man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen einer Plakat-Kampagne vorstellen. Auch ein neues Logo verpasste sich der Verein zum Jubiläum, nennt sich ab sofort offiziell "Kompetenzzentrum für Jugendarbeit".
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