Hausmusik bestimmt das Leben der Großfamilie Trauner.

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Waldviertel
02/07/2016

Kinder-Reichtum als Familienglück

Waldviertler Großfamilie lebt seit Jahren für die Volksmusik und tritt seit Kurzem gemeinsam auf.

von Jürgen Zahrl

Die Größte hält die Kleinste in den Armen. Monika ist erst wenige Tage alt, kann aber schon die wärmenden Hände ihrer großen Schwester Magdalena, 19, spüren. Die beiden wären Geschwister wie viele andere, wenn sie die einzigen Sprösslinge des Ehepaars Manuela, 43, und Johann Trauner, 47, aus Altenburg, Bezirk Horn, wären. Sie sind aber nur zwei von insgesamt 13 Kindern. Acht Mädchen stehen nun fünf Burschen gegenüber. Die Großfamilie aus dem Waldviertel erinnert zwar an die Trapp-Familie, die Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgreich durch Amerika tourte. Doch bei den Trauners ist Musik nur ein Bestandteil der Freizeitgestaltung und keine wesentliche Einnahmequelle.

Einen Fernseher gibt es im Hause Trauner keinen. Stattdessen bestimmt Hausmusik das Leben der Großfamilie. Die Älteste, Magdalena, spielt schon neun Instrumente und hat im Herbst in Graz Volksmusik zu studieren begonnen. Franz, 17, der in Langenlebarn die Fachschule für Flugtechnik besucht, beherrscht neben Blockflöte auch Geige und Oboe. Acht der 13 Kinder bilden inzwischen verschiedene Ensembles, um bei Konzerten mit einem großen Repertoire an Musikliteratur – von Klassik bis Volksmusik und Gesang bis Volkstanz – aufzutreten. "Von klein auf können unsere Kinder im Kreise der Familie Blockflöte ausprobieren. Später lernen sie weitere Instrumente dazu", erzählt Vater Johann Trauner, der seit Kurzem mit dem Kontrabass für die tiefen Töne zuständig ist. Nur bei Konzerten, nicht bei Bewerben, stehen auch die Eltern mit auf der Bühne. Der Termin für das nächste Konzert steht schon fest: Am 17. Juli wird die Großfamilie in Kirchberg am Wagram, Bezirk Krems, in der Wagram-Halle (14.30 Uhr) ihr Können unter Beweis stellen.

Probenzimmer

Wenn Probeneinheiten auf dem Plan stehen, wird es im früheren Bauernhaus der Familie eng. Damit alle zehn aktiven Musiker üben können, müssen neben Klavier- und Kinderzimmer auch der Abstellraum und das Bügelzimmer umfunktioniert werden. "Gemeinsam spielen wir fast alles ohne Noten. Einer beginnt, die anderen können mitmusizieren. Das klappt wegen des guten Gehörs problemlos", erzählt Papa Trauner stolz. Viele Kinder sind aber auch außerhalb der Familienmusik aktiv – etwa bei der Blasmusik Pölla, Bezirk Zwettl, beim Gesangs- und Musikverein Horn oder beim Bewerb "Prima la Musica".

Bei den Trauners ist der Kinder-Reichtum nicht nur erfreuliche Realität, sondern auch eine Herausforderung. Da außer Haus der Schulunterricht im Waldviertel mit mehr als zehn Kindern (auch mit Nachmittagsgestaltung) eine logistische Mammutaufgabe wäre, haben sich die Eltern dazu entschlossen, ihren Nachwuchs selber zu unterrichten. Als alternative Bildungsform kommt dabei Montessori zum Einsatz. "Im Volksschulbereich lernt man zuerst die praktischen Dinge, wie etwa Schuhe putzen. Zu Schulschluss eines jeden Jahres müssen unsere Kinder eine Externistenprüfung ablegen", erklärt Trauner, der sowohl als "Familien-Manager" als auch als Lieferant für einen Bio-Erzeuger tätig ist.

Alltag

Auch beim Kochen ist viel Koordinationsgabe notwendig. Zehn Liter Milch pro Woche oder 300 Kilogramm Erdäpfel pro Jahr sind Normalität. Die Küche ist in einen Nass-, Heiß- und Staubbereich unterteilt, damit kein Chaos entstehen kann und drei Personen gleichzeitig arbeiten können. "Wir kochen meistens gleich größere Mengen – auch halbfertig vorbereitet für weitere Mahlzeiten. Es gibt dann einen Plan, wer für die Speisenzubereitung zuständig ist", erklärt Trauner. Am größten ist aber der Hunger nach Musik.

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