Den Schritt in die Selbstständigkeit hat die zweifache Mutter Doris Pfaffenlehner nie bereut

© /Franz Weingartner - Fotograf A

Handwerk
10/12/2015

Kernhof: Schuhe aus der Bahnhofshalle

Wie es die 32-jährige Schuhmacherin Pfaffenlehner in das Mariazellerland verschlug.

von Johannes Weichhart

Es war beim Wandern und es war Liebe auf den ersten Blick. Als Doris Pfaffenlehner in Kernhof in Niederösterreich unterwegs war, sah sie einen alten Bahnhof, den die ÖBB aufgelassen hatten. Heute wohnt und arbeitet die 32-Jährige in dem Gebäude, das sie gemeinsam mit ihrem Mann in liebevoller Kleinarbeit restauriert hat.

Das Handwerk liegt der 32-Jährigen. Sie ist eine erfolgreiche Schuhmacherin, die Kunden aus aller Welt hat. "Sogar aus Afghanistan hatte ich einmal eine Bestellung", erzählt Pfaffenlehner.

Im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofes hat sie sich ihre Werkstatt eingerichtet. Hier entsteht das handgemachte Schuhwerk, das auch seinen Preis hat. "Herrenschuhe gibt es ab 1650 Euro, Frauenschuhe sind etwas billiger, weil es weniger Arbeit ist", sagt die zweifache Mutter. Die Kosten für ein Paar Schuhe sieht sie aber relativ. "Andere stellen sich einen teuren Flachbildfernseher ins Wohnzimmer. Man muss kein Millionär sein, um sich Maßschuhe leisten zu können."

Lehrzeit

Gelernt habe sie bei den Besten, wie sie erzählt. Mit 19 Jahren begann sie eine Schuhmacherlehre in der Wiener Manufaktur "Scheer & Söhne". Danach absolvierte sie noch ein Praktikum in Venedig. Schließlich wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. "Ich fühle mich sehr wohl und mag es, mein eigener Chef zu sein", lacht die zweifache Mutter.

Wer zu Pfaffenlehner nach Kernhof kommt, um sich Schuhe machen zu lassen, muss allerdings auch etwas Geduld mitbringen. Denn Qualitätsarbeit braucht seine Zeit und schließlich handelt es sich um Einzelstücke. Es dauert etwa ein halbes Jahr, bis ein Paar fertiggestellt ist.

Eine Bitte hat die Schuhmacherin an den KURIER-Reporter, als sie ihm die Werkstatt zeigt. "Bitte schreiben Sie, dass der Wirt nebenan keinen Nachfolger findet. Es ist so schade, dass er zusperren musste."

Vielleicht findet sich ja noch ein weiterer Jung-Unternehmer, der sich im Mariazellerland etwas traut. Ein guter Boden für Kreativität scheint es allemal zu sein. www.pfaffenlehner.com

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