Kein Anschluss unter dieser Nummer: SPÖ will Kältetelefon für NÖ

++ ARCHIVBILD ++ Angebote für Obdachlose im Winter
Bundesräte fordern mehr Hilfe für die Schwächsten. Warum eine Umsetzung im Bundesland schwierig ist.

Angesichts der Kältewelle haben die SPÖ-Bundesräte Christian Fischer, Martin Peterl sowie die SPÖ-Bezirksgeschäftsführerin in Lilienfeld, Anna Indra, eine Initiative zur Einrichtung eines bundeslandweiten Kältetelefons gestartet. Denn Niederösterreich ist das einzige Bundesland, in dem es kein derartiges Angebot unter diesem Namen gibt. 

Beim Kältetelefon können sich Passanten unter einer bestimmten Nummer melden, wenn sie den Schlafplatz einer obdachlosen Person bemerken oder jemand unversorgt ist.

„Die Kälte macht vor der niederösterreichischen Landesgrenze nicht halt. Was in allen anderen Bundesländern selbstverständlich ist, sollte auch in Niederösterreich möglich sein“, sagt SPÖ-Fraktionschef im Bundesrat, Fischer. Man müsse immer an die Schwächsten in der Gesellschaft denken, so der Politiker, der an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Vize Udo Landbauer (FPÖ) appelliert, hier entsprechend Geldmittel bereitzustellen. „Vielleicht statt einem Aufsichtsrat der EVN, der 600.000 Euro Jahresgehalt verdient. Dann wäre das Kältetelefon auch schon finanziert.“

Bundesrat Martin Peterl, Bezirksgeschäftsführerin Anna Indra, SPÖ-Fraktionschef Christian Fischer

Bundesrat Martin Peterl, Bezirksgeschäftsführerin Anna Indra, und SPÖ-Fraktionschef Christian Fischer haben eine Initiative zur Etablierung des Kältetelefons gestartet

Start schon nächstes Jahr?

Die Initiatoren wollen nun Einsatz- und Hilfsorganisationen, Notruf NÖ sowie die Politik an einen Tisch bringen, um ein Konzept zu erarbeiten. Schon nächsten Winter soll eine zentrale Telefonnummer für ganz Niederösterreich zur Verfügung stehen, bei der Hinweise und Hilferufe entgegengenommen werden.

Auch Menschen in finanziell prekärer Lage sollen sich an die Nummer wenden können. So können hilfsbedürftige Personen in warme Notschlafstellen gebracht oder bei Hilfsangeboten wie dem Wohnschirm unterstützt werden. Wichtig sei, dass dabei auch der ländliche Raum abgedeckt werde, so die SPÖ-Politiker. Fischer könnte sich eine Schlafsackausgabe sowie Notschlafplätze in jedem Bezirk vorstellen.

Keine Streetworker

Tatsächlich ist der Ruf nach einem Kältetelefon in NÖ nicht neu. Eine Umsetzung schätzen Fachleute derzeit allerdings als schwierig ein. Denn im Unterschied zu Wien gibt es im flächenmäßig sehr großen NÖ kein Netz aus Streetworkern, die im ganzen Bundesland tätig sind und die Obdachlosen aufsuchen können. Auch fehlen flächendeckend Notschlafstellen, die die Menschen dann aufnehmen.

Aktuell gibt es in Wiener Neustadt und St. Pölten Notschlafstellen für Erwachsene. Die Emmausgemeinschaft St. Pölten ist mit 18 Nächtigungsplätzen für Männer und vier für Frauen der größte Anbieter. In Wiener Neustadt gibt es zwei (Männer) bzw. vier (Frauen) Plätze. Immer wieder würden im Winter auch bei ihnen besorgte Menschen anrufen, sagt Emmaus-Sprecherin Birgit Hinterhofer. Obdachlose abzuholen und in ihre Einrichtung zu bringen sei den Mitarbeitern aber nicht möglich, heißt es.

Mehr Plätze benötigt

Generell würden die Kapazitäten nicht ausreichen, sagt Hinterhofer. Jeden zweiten Tag müssten etwa Männer abgewiesen werden. „Eine flächendeckendere Versorgung und mehr Plätze in Notschlafstellen wären wünschenswert.“

Wie viele Obdachlose in NÖs Straßen nächtigen ist nicht bekannt. Österreichweit sind laut offiziellen Zahlen 21.000 Menschen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen. Die Dunkelziffer ist weit höher. Laut Caritas leben 11.400 davon in Wien.

Die Sozialorganisation, die in fünf Bundesländern das Kältetelefon betreibt, würde ein solches auch in NÖ unterstützen. „Sollte das Land eine flächendeckende Obdachlosenhilfe aufbauen, sind wir natürlich Partner“, heißt es von der Caritas St. Pölten und Wien. 

Zusammenarbeit

Beim Land NÖ betont man, dass sich die Versorgung von Betroffenen auch am Land durch Zusammenarbeit von Behörden und Sozialvereinen bewährt habe. Die Einführung eines Kältetelefons sei bereits einmal von der Landes-SPÖ geprüft worden.

„Gerne nehme ich die neuerliche Initiative zum Anlass, um in gemeinsamen Gesprächen die seit vielen Jahren gelebte Praxis zu analysieren und auf Verbesserungen hin zu prüfen“, sagt die zuständige Soziallandesrätin Eva Prischl (SPÖ). Allerdings, wird betont, seien auch in den anderen Bundesländern die Hotlines nicht immer flächendeckend und rund um die Uhr erreichbar. SPÖ-Klubobmann Hannes Weninger könnte sich etwa eine Anlaufstelle bei Notruf NÖ vorstellen.

Und was ist nun zu tun, wenn man jemanden auf der Straße schlafen sieht? Bei den aktuellen Temperaturen rät man seitens der Caritas, die Rettung zu rufen.

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