Chronik | Niederösterreich
15.07.2018

Katharina Stemberger ist "Hin und Weg"

Katharina Stemberger spricht im Veggie Bräu in Stockerau über ihr neues Theaterfestival und die Migrationsfrage

Das Veggie Bräu in Stockerau (Bezirk Korneuburg) zählt zu den Pionieren der vegetarischen und biologischen Ernährung.

Schon vor 14 Jahren hat Christa Böhm darauf gesetzt. Damals wurde sie noch belächelt, heute sind genau diese Parameter zum großen Trend geworden. Die Besucher kommen von weit her, weil sie das Essen, deren Zutaten Böhm von ihrem eigenen Bio-Bauernhof bezieht, schätzen. Da sich das Lokal nur 50 Meter von der Stockerauer Festspielbühne (diese finden derzeit statt) entfernt befindet, tummeln sich regelmäßig auch Schauspieler und Regisseure hier. Eine der Besucherinnen, die das Veggie Bräu lieb gewonnen haben, ist Katharina Stemberger.

Pflicht zur Unterhaltung

Derzeit arbeitet sie intensiv an den Vorbereitungen für das neue Theaterfestival „Hin und Weg“ in Litschau, das von 10. bis 19. August erstmals stattfinden wird. Sie ist Schirmherrin und Workshop-Leiterin. Dabei steht Neue Literatur im Fokus. Sie sei, entgegen vieler Vorurteile, irrsinnig unterhaltsam. „Es ist großartig, dass es in Niederösterreich so viel Sommertheater gibt. Natürlich werden viele Komödien gespielt. Wir haben uns aber gefragt: Was gibt es noch? Was gibt es an neuer unterhaltsamer Theaterliteratur. Das war der Ausgangspunkt“, erzählt die 49-Jährige.

In der Vorbereitungsphase wurden über 50 Stücke gelesen, dann wurde die Auswahl getroffen. „Es waren wahnsinnig viele gute Stücke dabei. Für mich ist Theater Kommunikation. Wir als Theaterschaffende haben die Grundverpflichtung, unser Publikum zu unterhalten. Aber das bedeutet nicht, die Menschen ausschließlich zum Lachen zu bringen. Es können auch skurrile, kritische Themen unserer Zeit behandelt werden“, führt Stemberger aus, die währenddessen ein Paradeiserstück ihres Griechischen Bauernsalats mit ihrer Gabel aufspießt.

Kritische Themen liegen ihr persönlich besonders am Herzen. Zuletzt hat der Tausendsassa den Vorstandsvorsitz des Integrationshauses übernommen. „Es war und ist mir in der derzeitigen politischen Stimmung in Europa ein besonderes Bedürfnis, mich zu engagieren und meinen Teil beizutragen, dass die aufgeheizte Diskussion über Migranten und Kriegsflüchtlinge bei den Tatsachen bleibt“, erklärt sie. „Das ist derzeit schwierig. Deswegen ist es schön, dem Integrationshaus vorzustehen, das sich seit 25 Jahren damit beschäftigt, wie Menschen, die vor kriegerischen Auseinandersetzungen geflüchtet sind, die auf ihrer Flucht grauenhafte Dinge durchgemacht haben, einen guten und auch schnellen Weg in unsere Gesellschaft finden können“, fährt sie fort. Das gelinge nur mit professionellen Begleitung.

Meinung kundtun

Stemberger, die zuletzt bei den Rosenheim-Cops und Schnell Ermittelt mitwirkte, nimmt sich bei Ungerechtigkeiten schon seit Kindertagen kein Blatt vor den Mund. Ihre Meinung kundzutun, sieht sie als ihre Bürgerinnenpflicht, nicht als Teil ihres Berufs. „Ich finde es widerlich, menschenverachtend und unverantwortlich, wie Politiker seit Jahren mit dem Thema der Flüchtlinge und der Migration auf Stimmenfang gehen.“ Dies sei eine Hatz auf dem Rücken von wehrlosen Menschen. „Ich habe keine rosarote Brille auf. Es gibt Herausforderungen. Es braucht europäische Regeln und Lösungen. Aber das entbindet uns nicht, unserer Pflicht zu helfen. Wenn wir zuschauen, wie Menschen täglich vor den Toren Europas ersaufen, wie werden wir das unseren Enkelkindern erklären?“, fragt sie. Zu sagen, die Menschen in den Booten könnten nicht gerettet und aufgenommen werden, sei falsch. Einzig der Wille fehle.

Mit ihrem Mann, Fabian Eder – mit dem sie schon zwei Filme über Flucht drehte –, arbeitet sie derzeit an der Dokumentation „Talk to me“ über die Entstehung und Veränderung des Geschichtsnarratives in Österreich während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Der Antrieb für ihre Projekte ist ihre Neugierde. Diese ist es auch, die die Zuschauer von „Hin und Weg“ anstecken soll. Deswegen wird auch an unkonventionellen Orten gespielt, wie etwa in privaten Küchen.

Privat fühlt sich auch die Bedienung im Veggie Bräu an, Böhm versorgt ihre Gäste wie alte Freunde.