Kampfpiloten beschützen Weinernte

Hagelabwehr: Da die Weinernte im Vorjahr schlecht ausgefallen ist, kämpfen Kremser Hagelflieger gegen jedes Eiskorn.

Jeder Pilot lernt in seiner Flugausbildung, dass er eine bedrohliche Gewitterzelle meiden und sofort eine Kursänderung vornehmen soll, sobald sie vor seinem Cockpit auftaucht. Denn Blitze, Windböen und Hagel können einen Flieger in arge Turbulenzen bringen. Aber genau auf solche schwarzen Feinde, die in den vergangenen Tagen in Form von Hagelgewittern über die Region gezogen sind, hat es eine 15-köpfige Gruppe waghalsiger Piloten aus NÖ abgesehen. Wenn eine dunkle Front naht, heben die Kremser Hagelflieger in Windeseile ab, um gefährliche Eisladungen abzufangen, bevor diese etwa die Trauben in den Weingärten vernichten können.

Was die Winzer freut, ist nur durch den Einsatz tollkühner Hobbypiloten möglich. "Manchmal frage ich mich, warum ich mir das antue", sagt Thomas Stoifl. Er gehört mit seinen zehn Flugjahren zu den erfahrensten Hagelpiloten des Kulturenschutzvereins. Kein Einsatz gleicht dem anderen und doch ist es die Erfahrung und penible Vorbereitung, die ihm die Angst nimmt.

"Es ist der Respekt, der immer bestehen bleibt", weiß Stoifl. In der Luft sei auch keine Zeit, über Furcht nachzudenken, weil dort viele Aufgaben zu erledigen sind. "Wir müssen den Flieger direkt zum unteren Ende der Wolkenwand steuern, damit wir die Aufwinde dazu nutzen können, um die Einsatzmunition Silberjodid wirkungsvoll in die Gewitterwolke zu feuern", erzählt Andreas Huber, der seit drei Jahren zur Kremser Hagelabwehr-Staffel gehört. Jeder Pilot müsse Ruhe bewahren und darauf achten, wo die beiden anderen Flieger unterwegs sind. Das Manöver klingt einfacher als es ist. Doch spätestens kurz vor der Gewitterfront würzen heftige Turbulenzen den Flug. "Es beutelt einen richtig durch. Mehrere Luftlöcher lassen das Flugzeug oft absacken", erzählt Stoifl. "Daher ist es wichtig, dass der Pilot gut angeschnallt ist. Sonst knallt er mit dem Kopf gegen die Flugzeugdecke und verliert das Bewusstsein."

Das Silberjodid-Aceton-Gemisch wird über ein Sprühgerät, ähnlich einem Kanonenrohr, abgefeuert. Sobald es der Sog in das Herz der Gewitterzelle trägt, sorgt es dafür, dass mögliche Hagelkörner viel kleiner ausgebildet werden. Im günstigsten Fall schmelzen die Hagelkörner sogar am Weg zum Boden und treffen als schwere Tropfen auf.

Waffe

"Heuer sind wir schon 23 Einsätze an zehn Tagen geflogen", erzählt Johannes Eckharter, der Geschäftsführer der Kremser Hagelflieger. Der arbeitsreichste Monat war mit 19 Gewittern der Juni. Doch im Vergleich zu den Vorjahren sei die Saison bisher unterdurchschnittlich verlaufen. "Die kritische Zeit haben wir beinahe überstanden", erklärt Eckharter, dessen Piloten auch über Felder und Glashäuser in der Region wachen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf Weingärten.

"Da im Vorjahr die Menge schlecht war, müssen wir alles daran setzen, dass die Weintrauben nicht beschädigt werden", gibt Eckharter die Flugrichtung vor. Dabei droht aber eine weitere Gefahr: Die ständige Preiszunahme des raren Silberjodids macht Eckharter zu schaffen. Hat er vor zwei Jahren noch 17,11 Euro pro Liter bezahlt, sind es jetzt 60 Euro pro Liter.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011