Chronik | Niederösterreich
13.03.2013

Kahlschlag: Allee im Wohngebiet gerodet

Die Stadt ließ am Mittergwendt 16 Bäume für einen Radweg fällen. Die Umweltstadträtin wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Der südliche Teil des Mittergwendt in einer der besten Wohngegenden Tullns war eine Allee – zumindest bis vergangenes Wochenende. Am Montag kamen Arbeiter und begannen die ca. 40 Jahre alten Bäume an beiden Seiten der Straße zu fällen. Dienstagnachmittag waren bereits alle 16 Bäume umgeschnitten und die meisten Wurzelstöcke ausgegraben.

Umweltstadträtin Liane Marecsek (Grüne) erfuhr erst am Montag von der Rodung, als sie von einer aufgebrachten Anrainerin angerufen wird. Marecsek: „Diese Bäume wurden erst vor zwei Jahren begutachtet und für gesund befunden.“

Noch mehr empört die Umweltstadträtin die Tatsache, dass sie in die Entscheidung nicht eingebunden war: „Es gibt eine klare Vereinbarung mit dem Bürgermeister, dass ich vor der Rodung jedes einzelnen Baums in die Meinungsfindung eingebunden werde und ein Mitspracherecht habe.“

"Absicht"

Dies habe in der jüngeren Vergangenheit auch meistens funktioniert, doch im aktuellen Fall habe sie erst am Dienstag, nachdem sie im Rathaus angefragt hatte, einen Anruf von einem Abteilungsleiter der Stadtverwaltung gehabt, dass man leider vergessen habe, sie zu informieren, berichtet Marecsek: „Daran glaube ich nicht. Ich denke, ich wurde absichtlich nicht informiert, damit es keinen Widerstand gegen die Rodung gibt.“

Im Rathaus bestätigt Stadtamtsdirektor Franz Lasser, dass die Arbeiten lange geplant waren: „Hier werden Gasrohre verlegt und eine Lücke in Radwege-Netz geschlossen. Die Grabungsarbeiten hätten die Wurzelkörper beschädigt.“ Zudem seien die Bäume bereits zu groß für eine Wohnsiedlung gewesen: „Zwei wurden schon vom Sturm umgelegt, davon ist einer auf ein Haus gefallen.“ In zwei Anrainerversammlungen wurde festgelegt, dass für die 16 gefällten Bäume 17 neue gepflanzt werden, sagt Lasser.

Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP) weist den Vorwurf der Absicht entschieden zurück und dreht den Spieß um: „Ich habe die Umweltstadträtin ermächtigt, alle für ihr Ressort wichtigen Informationen im Rathaus zu erhalten. Wenn der Informationsfluss nicht so läuft, wie ihr das vorschwebt, muss sie das eben verbessern.“ Das Projekt sei breit diskutiert und lange vorbereitet worden.