Justizanstalt baute Stahlkäfig: Wer darin eingesperrt werden sollte
Die Frau sollte "vor sich selbst geschützt werden".
Eine Schlagzeile sorgte am Mittwoch für Aufsehen im Justizressort und bei der Volksanwaltschaft. „Häfn-Chefin wollte Insassin in Käfig sperren“, titelte die Tageszeitung Heute.
Der Fall selbst ist Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), dem Ministerium sowie der Volksanwaltschaft bereits seit dem Sommer 2025 bekannt. Dass die Causa ausgerechnet jetzt in die Öffentlichkeit dringt, kommt nicht von ungefähr und hat womöglich mit einer Personalentscheidung zu tun.
Im Sommer 2025 wurde im Auftrag der Anstaltsleitung im Frauengefängnis Schwarzau am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen) in der hauseigenen Werkstätte ein zirka 6 mal 2,5 Meter großer Stahlkäfig gebaut. Der Plan der Gefängnisdirektion war, einer psychisch kranken Insassin der Justizanstalt innerhalb des Metallkäfigs „Bewegung im Freien“ zu ermöglichen – ohne dass sich die Vorarlbergerin dabei selbst verletzt.
Sonderprüfung der Volksanwaltschaft lief
Man war der schwer verhaltensauffälligen Insassin in Schwarzau zuvor wochenlang nicht Herr geworden. Die Frau hatte sich unter anderem bei Spaziergängen am Gefängnisareal selbst verletzt, indem sie mit den Fäusten gegen Fensterscheiben schlug.
Als die brisante Causa intern publik wurde, führte die Volksanwaltschaft gerade eine Sonderprüfung zur Situation von Gefangenen mit psychischen Erkrankungen in Justizanstalten durch. Im Zuge dieser Prüfung habe die Volksanwaltschaft auch von dem Käfigbau erfahren. „Der Fall wird auch im Bericht zum laufenden Prüfschwerpunkt, der die Situation von psychisch erkrankten Insassen beleuchtet, dokumentiert. Dieser Bericht befindet sich derzeit in Finalisierung, die Ergebnisse werden Ende März vorgestellt. Dazu haben wir 17 Besuche in Justizanstalten durchgeführt und die Fälle von 59 Betroffenen erhoben“, hieß es am Mittwoch vonseiten der Volksanwaltschaft.
Die Mutter-Kind-Abteilung der Justizanstalt Schwarzau in Niederösterreich
Der Fall der Insassin von Schwarzau sei beispielhaft für diesbezügliche Missstände im Strafvollzug, heißt es dazu. Mehrere Versuche der Anstalt, die Gefangene in ein Forensisch-therapeutisches Zentrum zu verlegen, scheiterten. Worauf auch der psychologische Dienst und die Gefängnisseelsorge auf die Barrikaden stiegen und intervenierten.
Insassin legte Feuer und flutete Gefängniszelle
Die Volksanwaltschaft bestätigt Recherchen des KURIER, wonach die betroffene Insassin seit ihrer Inhaftierung in Schwarzau durchgehend in einem Einzelhaftraum untergebracht war. Diesen hatte sie unter Wasser gesetzt und in Brand gesteckt.
„Da sie Selbst- und Fremdverletzungstendenzen zeigte, war aus Sicht der Volksanwaltschaft eine adäquate Betreuung in der Justizanstalt Schwarzau nicht möglich und eine Langzeitbehandlung in einem Forensisch-therapeutischen Zentrum geboten. Die Überforderung der Justizanstalt Schwarzau im Umgang mit diesen Gefangenen zeigte sich mit der Idee, eine käfigartige Konstruktion im Hof aufzubauen, um selbst- und fremdgefährdenden Insassinnen den Aufenthalt im Freien zu ermöglichen“, so die Volksanwaltschaft.
Käfig abgebaut, bevor er in Betrieb ging
Die Errichtung eines „Käfigs“ wurde im Hinblick auf die Wahrung der Menschenwürde „als gänzlich ungeeignet“ beurteilt. Das habe auch die Anstaltsleitung letzten Endes eingesehen, heißt es. Nach einer Prüfung durch die Generaldirektion für Strafvollzug am 5. September 2025 wurde der Käfig „unverzüglich abgebaut“, erklärt das Justizministerium.
Die Metallkonstruktion sei nie im Einsatz gewesen und wurde anstaltsintern angefertigt. Kosten seien damit keine entstanden. „Nach einem Gespräch mit der interimistischen Anstaltsleitung waren keine disziplinarrechtlichen Schritte erforderlich“, heißt es vonseiten des Justizministeriums. Die Insassin wurde später in das Forensisch-therapeutische Zentrum nach Asten verlegt.
„Dieser Fall zeigt einmal mehr: Insassinnen und Insassen mit akuten schweren psychischen Erkrankungen gehören nicht ins Gefängnis, sondern in psychiatrische Betreuung in ein Spital. Seit Jahren appelliere ich, die Betten in den Spitälern zur akutpsychiatrischen Versorgung auszubauen. Doch es gibt nach wie vor zu wenige Plätze, während die Zahl jener Häftlinge steigt“, sagt Volksanwältin Gaby Schwarz.
Volksanwältin Gaby Schwarz
Bewerbung um Chefposten
Die Folge sei, dass sich Abteilungsbeamte um diese Gefangenen kümmern müssen, die dafür nicht spezifisch ausgebildet sind und dass Betroffene häufig in Einzelhafträumen weggesperrt werden.
Auffällig ist, dass der Fall mit dem Käfig ausgerechnet jetzt in die Öffentlichkeit dringt. Insider vermuten, dass es mit der Neubesetzung der Anstaltsleitung zu tun hat. Das Bewerbungsverfahren dazu läuft aktuell, vor wenigen Tagen hat ein Hearing stattgefunden. Die interimistische Anstaltsleiterin ist eine der Bewerberinnen. „Die Sache ist vielleicht ein Versuch, das Bewerbungsverfahren zu beeinflussen“, heißt es aus Insiderkreisen.
Die Justizanstalt Schwarzau am Steinfeld ist als Frauengefängnis bekannt. Neben derzeit knapp 190 weiblichen Insassinnen sind auch 15 Männer auf dem dortigen Gutshof der Anstalt untergebracht.
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