„Jetzt bin ich also auch noch ein Mörder“

Im neu aufgerollten Mordfall aus dem Jahr 1986 wurde ein weiterer Beschuldigter einvernommen: Ihm gehörte die Tatwaffe.

Schlecht geschlafen habe er. „Eine Woche lang“, sagt Erhard Pichler. Der 74-Jährige Niederösterreicher hat in der Vorwoche eine „Ladung des Beschuldigten im Ermittlungs­verfahren zugestellt bekommen. Es bestehe Verdacht auf Anstiftung zum Mord, Mord, falsche Zeugenaussage und verbotenen Waffenbesitz. Dienstagnachmittag war die Einvernahme durch die Polizei.

Pichler, der seit gut 40 Jahren mit Behörden und der Psychiatrie wegen der Auf­deckung eines Finanz­skandals und seiner Zwangspsychiatrierung im Dauerclinch liegt ( der KURIER berichtete) ist nun auch in den Mordfall im Café Orient in Wien involviert.

Wie berichtet, wurde in diesem Zusammenhang am 15. März Harald K. verhaftet. 25 Jahre nach dem Mord. K. soll damals nach einem Streit seinen Kontrahenten Erich Ludwig mit zwei Schüssen niedergestreckt haben. K. beteuert, nichts mit dem Mord zu tun zu haben.

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Vorlader

Hier kommt Pichler ins Spiel, denn die Waffe, mit der der Mord verübt worden ist, hatte zuvor ihm gehört. „Es war ein Nachbau einer Vorderladerpistole mit Zündhütchen und Schwarz­pulver“, sagt Pichler. Sechs Stück von den Nachbauten alter Western-Waffen habe er besessen.

Wie der Verdächtige vor 25 Jahren die Waffe erlangt hat, weiß Pichler nicht mehr. „Vielleicht habe ich sie ihm geschenkt, vielleicht hat er sie abgearbeitet.“ K. hatte an Pichlers Hausbau bei Langenlois mitgewirkt.

Mit den Worten „Jetzt bin ich also auch noch ein Mörder“, empfing Pichler am Dienstag die beiden Polizisten, die ihn zur Einver­nahme brachten. Ein ermittelnder Beamter beruhigt: „Es ist in einem ungeklärten Fall klar, dass die Staats­anwaltschaft auch auf Mord untersuchen lässt.“ Schließlich habe die Mordwaffe ursprünglich Pichler gehört. Die Polizei geht davon aus, dass an ihm nichts hängen bleibt. Weder Mord, noch Anstiftung würden ernsthaft in Erwägung gezogen. Die Sache mit der Waffe sei verjährt.

Pichler überlegt trotzdem, die Republik zu klagen: „Es ist die 31. falsche Verdächtigung der Staatsanwaltschaft gegen mich.“ Dort kann dies nicht gänzlich bestätigt werden: „Drei Verfahrenseinstellungen liegen im Register vor.“

( Kurier ) Erstellt am 28.03.2012