Geschäftsführer Hermann Ploner

© FREMD/Jürgen Zahrl

Insolvenzverfahren
07/15/2013

Region bangt um die Käsemacher

Seit Montag hat der Masseverwalter das Sagen. Firmenchef will auch noch mitreden.

von Jürgen Zahrl

Die Nachricht von der insolventen Firma „Käsemacher“ mit Standorten in Vitis bei Waidhofen an der Thaya und Heidenreichstein im Bezirk Gmünd hat eingeschlagen wie eine Bombe.

Bürger und Kunden sind geschockt, dass ein regionaler Leitbetrieb, der mit innovativen Käseprodukten wie Schafkäsebällchen, gefüllten Peppersweets und Salami-Käseröllchen punktet, am Montag Insolvenz anmelden musste. Ein Sanierungsverfahren soll mithilfe eines Masseverwalters dafür sorgen, dass der Betrieb weitergeht. Auch Firmenchef Hermann Ploner will um sein Lebenswerk kämpfen. Immerhin stehen knapp 200 Arbeitsplätze und die Existenzen vieler Bauern auf dem Spiel.

Wie berichtet, hatte der Kreditschutzverband (KSV) 1870 schon am Freitag mit der prominenten Insolvenz gerechnet. Firmenchef Hermann Ploner gibt zwar Fehler zu. Die seien aber während seines Komas nach einem schweren Unfall passiert. Als Gründe für den Liquiditätsengpass nennt Ploner Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro, die beim Umzug von der alten Molkerei in Waidhofen nach Vitis und vor der Eröffnung der neuen „Käsemacherwelt“ – vormals die Pleite gegangene „Anderswelt“ – in Heidenreichstein entstanden seien. Die Schulden sollen laut KSV mindestens fünf Millionen Euro betragen.

„Wir sind aber kein Pleitebetrieb. Alleine unser Lagerwert beträgt zirka 5,7 Millionen Euro. Auch die Besucherzahlen der Käsemacherwelt liegen über den Erwartungen“, erklärt Firmenchef Ploner, der sich von den Banken in die Enge getrieben fühlt. Seit seine Bankkonten gesperrt sind, nützt er die Einnahmen der Käsemacherwelt, um die Bauern zu bezahlen. Geschockt ist auch Landwirt Erich Wimmer, der zirka 50 Zulieferbauern vertritt. „Im März hieß es noch, die Ausfallwahrscheinlichkeit sei gering. Drei Monate später ist die Situation plötzlich akut“, grübelt Wimmer.

Kritik

Während die Bauern um ihr Geld bangen, sorgt die Causa „Käsemacher“ auch für politischen Zündstoff. Die Freiheitlichen werfen der ÖVP verfehlte Wirtschaftspolitik vor. „Obwohl im Vorjahr bereits zwei Standorte des Betriebs wirtschaftlich gewackelt haben, hat die ÖVP die Anderswelt noch als Bonus draufgelegt, um vor der Landtagswahl das marode Projekt wegzubekommen“, kritisiert FPÖ-Landtagsmandatar Gottfried Waldhäusl, der nun „Förderungen nur für gesunde Betriebe “ fordert.

Lukas Reutterer, Sprecher der Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) kontert: „Leider ist es so, dass die Politik dann gefordert ist, wenn Managementfehler passieren. Das ist auch bei Käsemacher der Fall.“ Negative Zurufe seien entbehrlich. „Jetzt geht es darum, mit dem Masseverwalter und den Banken Wege zu finden, um die Firma weiterzuführen und die Jobs zu sichern“, sagt Reutterer.

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