Innenstadt-Flaute: 37 Appartements als Mosaikstein in Wiener Neustadt

Impuls für die frequenzschwache Innenstadt: Aus dem ehemaligen Müller-Kaufhaus wird ein mondäner Wohn- und Geschäftskomplex.
Ins Erdgeschoß des neuen Komplexes zieht ein Billa. Darüber gibt es 37 Appartements.

Es ist sicher nicht der Gamechanger für die krisengeschüttelte und frequenzgeschwächte Innenstadt. Für Kaufkraft-Strategen und die Politik sind solche Projekte allerdings wichtige Mosaiksteine im Gesamtkonzept für mehr Frequenz in der City.

Aufwertung für die Innenstadt

Jahrelang wurde das ehemalige Müller-Kaufhaus als optischer Schandfleck der Wiener Neustädter Fußgängerzone bzw. des Domplatzes bezeichnet. Die leer stehende Bauruine war Symbol der schwächelnden Innenstadt-Wirtschaft.

Das soll sich nun ändern. Mit einem mondänen Wohn- und Geschäftszentrum erfährt die Wiener Straßen-Fußgängerzone eine "deutliche Aufwertung“, merkte Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) bei der Gleichenfeier des vierstöckigen Komplexes in bester Innenstadtlage am Mittwoch an.

Blick in den Innenhof

Blick in den Innenhof

Wenig ruhmreich

Das Kapitel Müller-Kaufhaus gilt als eher unrühmliches Schauspiel. Das Kaufhaus war mit 70 Arbeitsplätzen aus der Innenstadt ins Einkaufszentrum "Merkur City“ an die Peripherie abgewandert, weil man im Shoppingtempel eine Mietvergünstigung bekam. Rettungsversuche der Politik, den Standort im Zentrum zu erhalten, schlugen damals fehl. Seit 2019 stand das Kaufhaus leer. Nach dem Abriss hat die "NLY Invest GmbH“ des Unternehmers Nikolaj Hummelbrunner zusammen mit dem Wiener Neustädter Architektur- und Planungsbüro Ebner & Partner einen Neubau samt Tiefgarage aus dem Boden gestampft.

Wie Hummelbrunner erklärt, hätten Verhandlungen mit dem Rewe-Konzern rasch gefruchtet. Ins Erdgeschoß zieht eine Billa-Filiale, darüber gibt es auf vier Etagen 37 Eigentums- und Mietappartements. "Auch aufgrund der exklusiven Lage hat man sich für eine sehr hochwertige Ausstattung entschieden“, erklärt Planer Jürgen Kaiser. In den Gängen und Stiegenhäusern wird über Naturstein geschritten, die Appartements sind mit Küchen und Echtholz-Parkettböden ausgestattet, dazu kommen hochwertige Fenster und Glasfronten.

Kaufkraft

Wie Hummelbrunner erklärt, entspreche die Kombination aus Wohnen und Handel auch den Intentionen des Wiener Neustädter Stadtentwicklungsplans „Step 2030+“. Denn mit dem klassischen stationären Handel, könne heutzutage keine Innenstadt mehr reüssieren, was Frequenz und Kaufkraft anbelangt, weiß auch die Stadtführung.

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Unternehmer N. Hummelbrunner steht hinter dem Projekt. 

Kunst statt Handel

Deshalb hat man schon vor Jahren begonnen, auf Alternativen zu setzen. Mit einer „Ansiedlungsprämie“ wurde Unternehmen vonseiten der Stadtgemeinde ein finanzieller Anreiz geboten, sich im Zentrum niederzulassen oder in bestehende Geschäftslokale zu investieren. Durch diverse Initiativen wurde versucht, leer stehende Geschäfte umzufunktionieren und beispielsweise als Parteilokale, Kunstgalerien, Ordinationen, Kindergärten oder Wohnungen zu nutzen.

Zurück zum ehemaligen Müller-Kaufhaus: Obwohl man erst in wenigen Tagen mit den Appartements in den Verkauf geht, sei die Nachfrage bereits jetzt sehr groß. "Gerade was Eigentum anbelangt. Deshalb werden wir vielleicht weniger Wohnungen in Miete anbieten als ursprünglich gedacht“, so Hummelbrunner.

Ein Schnäppchen wird die Angelegenheit nicht, war am Mittwoch zu erfahren. Der hohe Standard und die "1A-Lage“ mit Blick auf den Wiener Neustädter Dom habe schon einen "gewissen Preis“, hieß es am Mittwoch. Bezugsfertig sind die 37 Appartements ab kommenden Herbst, die Billa-Filiale will bereits im Oktober aufsperren.

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