Chronik | Niederösterreich
05.03.2018

In der Spitalsmedizin fallen weitere Grenzen

Schon 5000 Tschechen sind in Gmünd behandelt worden. Geplant sind auch stationäre Leistungen.

"Früher musste ich 60 Kilometer weit nach Budweis fahren, um mich im Spital untersuchen zu lassen. Das hat mehr als eine Stunde gedauert. Jetzt bin ich in fünf Minuten im Krankenhaus Gmünd und kann mich hier behandeln lassen." Zdeněk Tomáš aus České Velenice ist einer von fast 1000 tschechischen Patienten pro Jahr, für die es bei der medizinischen Spitalsversorgung keine Staatsgrenzen mehr gibt. War das sogenannte Projekt "Health Across" bisher auf ambulante Behandlungen beschränkt, sollen die Patienten aus Südböhmen bald auch stationär im Waldviertel aufgenommen werden können.

Gesundheitsregionen

Fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und zehn Jahre nach dem Startschuss des Projekts gehört die barrierefreie Versorgung schon fast zum Alltag. "Für mich steht außer Streit, Gesundheitspolitik darf keine Grenzen kennen. Deshalb denken wir größer – nämlich in europäischen Gesundheitsregionen", sagt Landesrat Ludwig Schleritzko.

Seit dem Regelbetrieb im Jahr 2013 sind schon insgesamt knapp 5000 tschechische Patienten im Landesklinikum Gmünd ambulant behandelt worden. Noch heuer sollen auch die ersten stationären Patienten aus Südböhmen im Waldviertel versorgt werden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen", sagt Schleritzko. Derzeit laufen noch Verhandlungen mit allen tschechischen Krankenkassen, die für die Leistungen ihrer Landsleute aufkommen müssen. "Nach einer genauen Analyse wird das Leistungsspektrum festgelegt", erklärt Schleritzko. In erster Linie geht es um Akutfälle wie etwa Blinddarmentzündungen oder Knochenbrüche. Somit sei über die Grenze hinweg eine bessere Auslastung vorhandener Ressourcen garantiert, sagt der Landesrat.

Kostenniveau

Allerdings mache das unterschiedliche Kostenniveau noch Probleme, erklärt Ivana Stráská, Kreishauptfrau in Südböhmen: "Wir wünschen uns, dass die Versorgung nicht nur in eine Richtung funktioniert, sondern dass auch österreichische Patienten die Leistungen in Tschechien nutzen. Die Spitäler in Südböhmen sind die besten in ganz Tschechien".

Damit die Barrieren noch stärker verschwimmen ist nahe der Staatsgrenze das erste grenzüberschreitende Gesundheitszentrum mit Medizinern aus Österreich und Tschechien geplant. Darin soll es Behandlungen durch praktische Ärzte, Fachärzte, Pflegeexperten und Therapeuten geben. Die Eröffnung ist 2020 vorgesehen.