"Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet": Maisetschläger (li.) arbeitet von früh bis spätnachts im Atelier an ihren Entwürfen.

© /pressefotoLACKINGER

Weitra

Im Atelier der Dirndl-Königin

Elfi Maisetschläger lebt für die Tracht. Jetzt schneidert sie auch für die Landesschau.

von Johannes Weichhart

04/20/2015, 06:00 AM

Behutsam lässt sie den Stoff durch ihre Finger gleiten, glückselig lächelt sie dabei. Seit 30 Jahren schon arbeitet Elfi Maisetschläger als Schneiderin, doch die Faszination für ihren Beruf ist geblieben – wie am ersten Tag.

Wenn man die 55-Jährige in einer ihrer Filialen in Weitra im Bezirk Gmünd besucht, dann sprudelt die Waldviertlerin beim Rundgang durch das alte Gewölbe sofort los: Es geht um Stoffe, ihre Entwürfe, neue Projekte und vieles mehr. "Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet", sagt sie. Und das ist keine Übertreibung, denn sie ist immer auf der Suche nach neuen Ideen.

Maisetschläger entwirft in ihrem Atelier Trachten. Auf Dutzende Prototypen hat sie es im Laufe ihrer Karriere gebracht, zuletzt konzipierte sie im Auftrag mehrerer Gemeinden ein Dirndl für die kommende Landesausstellung "Ötscher:Reich". "Ich bin sehr stolz, dass wir den Auftrag erhalten haben."

Bevor die Unternehmerin aber zu Bleistift und Papier greift und erste Skizzen anfertigt, lässt sie sich inspirieren. Von den Menschen, der Natur und den vielen großen und kleinen Geschichten, die das Land so bereichern. "Ich schaue mir zum Beispiel an, welche Pflanzen es in der Region gibt. Im Falle des Pielachtals, wo demnächst die Landesschau stattfindet, ist es die Kornelkirsche. Die Farben der Pflanze lasse ich dann in die Entwürfe einfließen", erzählt sie.

Vor Kurzem hat Maisetschläger für die Landwirtschaftskammer auch eine Jungbauerntracht entworfen. Anzug, Sakko und Gehrock wurden beim großen Erntedankfest in Wien präsentiert.

Sexy

Es lief aber nicht immer so gut für die 55-Jährige. "Es gab Zeiten, da war die Tracht out und galt als vorgestrig", erzählt sie. Das hat sich mittlerweile geändert. Das Dirndl gilt als jung und sexy und wird gern auch von den Jungen getragen. Auch die Kundschaft ist eine andere. "Zu mir kommen alle. Vom Politiker bis zum Hilfsarbeiter, vom Künstler bis zum Touristen." Viele Promis zählen ebenfalls zu ihren Kunden. Erwin Pröll schlüpft gern in den NÖ-Anzug, für die Jazz Gitti hat sie eine besondere Lederhose entworfen. "Die Gitti wollte unbedingt eine rote haben. Da bin ich in ein Geschäft gegangen und habe Himbeeren gekauft. Das Ganze habe ich dann im Wasser eingeweicht, fertig war die rote Lederhose", lacht die Waldviertlerin.

Von Konkurrenten ist zu hören, dass die Kleider im Ausland angefertigt werden. "Aus denen spricht der Neid. Meine Produkte werden zu 99 Prozent in Österreich produziert", betont sie. Einen ihrer größten Rückschläge aber hat sie mittlerweile gut weggesteckt. "Nach einer Krebsdiagnose war ich ziemlich am Boden. Jetzt geht es mir zum Glück wieder besser." Sie will weiterarbeiten. Mit vollem Elan.

Geschichte des Dirndls

Dirndl waren ursprünglich ein städtisches Modephänomen. Anfangs noch Dienstbotentracht, setzte sich das Dirndl laut „wikipedia“ ab etwa 1870 in der Oberschicht des Sommerfrischepublikums als „ländliches“ Kleid durch.

In der wirtschaftlich schlechten Zeit nach dem 1. Weltkrieg wurde das Dirndl zum Kassenschlager, da es als Sommerkleid eine preiswerte Alternative zu den teuren Frauentrachten war. Je nach Anlass kann ein Dirndl aus Baumwollstoff, Leinen oder aus Seide gefertigt sein.

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