Grossinger und Hronicek fördern Josi

© KURIER/Johannes Weichhart

Niederösterreich
02/18/2017

"Ich möchte einmal eine Helferin der Armen werden"

Nach einem Feuer-Unfall in Ruanda wollte ihre Mutter sie sterben lassen. Eine pensionierte Ärztin ermöglichte Josi aber ein neues Leben.

von Johannes Weichhart

Wer in die strahlenden, neugierigen Augen von Josiane Iradukunda blickt, würde nicht erahnen, welches Leid dieses Mädchen schon erfahren musste. Allein gelassen von ihren Eltern, die sich hauptsächlich darum kümmerten, an Alkohol und Drogen zu kommen, fiel sie im Alter von zweieinhalb Jahren in einer kleinen Hütte in Ruanda (Afrika) in eine offene Feuerstelle. Die Mutter hätte ihr schwer verletztes Kind einfach sterben lassen, doch Nachbarn griffen schließlich ein und brachten Josiane in ein Krankenhaus. Dort war der Leidensweg aber noch nicht zu Ende. Weil sich die Wunden infizierten, mussten der Kleinen beide Unterschenkel und ein Teil des linken Arms amputiert werden.

Das Schicksal wollte es aber so, dass Erika Hronicek auf Josiane, die sie liebvoll "Josi" nennt, aufmerksam wurde. Hronicek, eine pensionierte Ärztin aus Zwettl in Niederösterreich, engagiert sich für das Center Marembo in Ruanda, in dem Straßenkinder, Waisen, Behinderte und Teenager-Mütter mit ihren Babys versorgt werden. Dadurch kam sie auch in Kontakt mit Josi.

Unterstützung

"In Ruanda hätte sie in Wahrheit keine Überlebenschance gehabt. Deshalb war es meine große Hoffnung, dass ich sie nach Österreich bringen kann", erzählt die Zwettlerin. Hronicek kämpfte sich durch den Behörden-Dschungel und schaffte es, dem Kind eine neue Perspektive zu geben.

"Bevor wir Afrika verlassen haben, habe ich sie gefragt, wie sie sich die Zukunft vorstellt. Sie hat geantwortet, dass es ihr größter Wunsch sei, einmal laufen zu lernen und eine Ausbildung zu machen", erzählt Josis Retterin.

Doch die Reise nach Niederösterreich im Jahr 2015 war für das Mädchen nur der erste Schritt in ein neues Leben. Es bedurfte die Unterstützung vieler Menschen, damit die heute Achtjährige auch bleiben durfte. Der Vizebürgermeister von Zwettl setzte sich dafür ein, dass Josi in der Schule eine Stützkraft bekam, Fremdenpolizei und die Jugendwohlfahrt sollen ebenfalls sehr großes Verständnis für die Situation der Kleinen gezeigt haben. Zudem konnte mit dem Spendengeld von zahlreichen Unterstützern Prothesen finanziert werden. "Ich war sogar schon Skifahren und Eislaufen mit ihr", sagt Hronicek.

Freunde

Derzeit besucht Josi die zweite Klasse der Volksschule Zwettl. "Meine Lieblingsfächer sind Rechnen, Deutsch und auch Turnen", erzählt sie mit einem Lächeln im Gesicht. "Ich habe auch schon viele Freunde gefunden. Es geht mir gut."

Mit Staunen verfolgt auch Direktorin Heidi Grossinger die Entwicklung ihres Schützlings mit. Im Semesterzeugnis hatte das Mädchen aus Afrika in jedem Fach einen Einser stehen. "Sie ist nicht nur eine sehr intelligente und gute Schülerin, sie tut uns allen sehr gut", erzählt die Pädagogin.

Josi hat übrigens schon sehr genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft. Fragt an sie, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Ich möchte einmal eine Helferin der Armen werden", sagt sie.

Mit ihrem unbändigen Überlebenswillen und dem großen Fleiß, den sie an den Tag legt, ist dieses Ziel für sie sicher erreichbar.

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