Chronik | Niederösterreich
09.06.2018

Holzlager soll Ursache für Käferplage sein

Waldviertler Grundeigentümer fürchten, dass der Schaden in ihren Wäldern noch größer wird.

„Bei uns war der Borkenkäfer – auf Deutsch gesagt – immer ein Fremdwort“, erzählt Franz Pöll, Waldbesitzer aus Großweißenbach bei Zwettl: „Als wir Anfang Mai unsere Bäume begutachteten, sind wir mit dem Schauen nicht mehr fertig geworden – überall das Rindenmehl vom gefräßigen Borkenkäfer.“ Seit es in der unmittelbaren Nachbarschaft ein großflächiges Zwischenlager für befallene Holzstämme gibt, ist das Käfer-Problem zuletzt dramatisch größer geworden. Zufall? Die betroffenen Grundstückseigentümer gehen davon aus, dass es zwischen dem gelagerten Schadholz und ihren befallenen Wäldern östlich des Dorfes einen Zusammenhang gibt.

„Wir können es zwar nicht beweisen, aber es ist naheliegend“, erklärt Pöll. Zwischen dem Lagerplatz und ihren betroffenen Waldflächen liegen zwischen 800 und 1000 Meter. Fachleute sprechen zwar davon, dass der Borkenkäfer maximal 500 Meter überwinden kann. Pöll und seine Kollegen glauben allerdings, dass der starke Ostwind, der in jüngster Zeit meistens geweht hätte, dem Borkenkäfer genügend Rückenwind liefern würde, um problemlos auch größere Entfernungen zu überwinden. Sie berufen sich dabei auf eine Studie aus Deutschland, die ihr Argument bekräftigt.

Schadholz

„Wir leben prinzipiell in keinem typischen Käfergebiet und hatten im Vorjahr nur einzelne Bäume, die betroffen waren. Unsere Schadholzmenge betrug ungefähr 20 Festmeter. Obwohl wir erst Juni haben, ist die Zahl heuer schon zehnmal höher“, rechnet Pöll vor. Das halbe Dorf hätte bereits betroffene Flächen im Umkreis des Holzlagers.

Im nördlichen Waldviertel ist die Situation schon seit dem Vorjahr dramatisch. Da eine Generation des Borkenkäfers die Wintermonate überlebt hat, ist keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil. Obwohl im Vorjahr die landesweite Schadholzmenge rund 1,5 Millionen Festmeter betrug, könnte dieser Rekordwert heuer sogar noch übertroffen werden. Wenig Regen und lange Trockenperioden machen die Bäume – vor allem die als Flachwurzler bekannten Fichten – anfällig für Borkenkäfer-Angriffe.

Überprüfungen

Die Bezirkshauptmannschaft Zwettl nimmt den Spezialfall in Großweißenbach ernst und sucht nach wirksamen Lösungen. „In Kooperation mit der Forstabteilung des Landes sind vor Kurzem Borkenkäfer-Fallen in Form eines Rings um das gesamte Holzlager aufgestellt worden. Die werden regelmäßig von unseren Förstern überprüft“, schildert Zwettls Bezirkshauptmann-Stellvertreter Matthias Krall im Gespräch mit dem KURIER. Laut Vorschrift muss der Mindestabstand zwischen einem Trockenlager und angrenzenden Wald 500 Meter betragen. „Wir werden der Sache nachgehen, ob diese Entfernung ausreicht oder sie vielleicht doch zu gering ist“, betont Krall. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass früher ein Viertel des Zwettler Bezirks vom Borkenkäferbefall betroffen war und mittlerweile das gesamte Gebiet in Mitleidenschaft gezogen werde.

Aufgrund der dramatischen Lage will das Land Niederösterreich weitere Maßnahmen setzen. Die sollen in Kürze präsentiert werden. Es ist „notwendig, rasch zu handeln. Neben den akuten Schritten setzen wir vor allem darauf, Mischwälder statt Monokulturen aufzuforsten, um unsere Wälder auch für nachfolgende Generationen zu erhalten“, betont Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP).