Hat St. Pölten am Wahlsonntag nur ein Vorbeben erlebt?

Johanna Mikl-Leitner bei einer Pressekonferenz in Niederösterreich.
Nach der Wahl in St. Pölten richten die Parteizentralen in Niederösterreich den Blick bereits auf 2028 – es kommt zum Duell.

Erdbeben können nicht vorhergesagt werden – genau das macht sie so gefährlich. Zwar werden manchmal Signale wahrgenommen, doch ein verlässliches Warnsystem gibt es nicht.

Dass am Sonntag eine der letzten roten Bastionen in Österreich fallen würde, traute sich im Vorfeld niemand zu behaupten. Ja, natürlich gingen selbst eingefleischte SPÖ-Fans von Verlusten aus, aber in dieser Dimension war es dann doch für viele ein Schock. Ein Minus von 13,5 Prozentpunkten ließ die Hauptstadt-SPÖ erschüttert zurück, auch wenn sie weiterhin an „ihrem“ Bürgermeister Stadler festhält.

Es könnte allerdings sein, dass St. Pölten am Sonntag nur ein Vorbeben erlebt hat. Denn in zwei Jahren steht bereits die nächste Wahlauseinandersetzung auf dem Programm, die die Parteizentralen schon jetzt intensiv beschäftigt: die Landtagswahl 2028 in Niederösterreich.

Die ÖVP-Strategen haben diesen Termin fest im Blick. „Die Niederösterreicher werden darüber entscheiden, ob sie eine schwarze Landeshauptfrau oder einen blauen Landeshauptmann haben wollen“, sagte ein hochrangiger Funktionär bereits vor einigen Monaten zum KURIER. Kurzum: Die Volkspartei wird das Duell Johanna Mikl-Leitner gegen Udo Landbauer ausrufen.

Ergebnis kommt der ÖVP gelegen

Genau deshalb kommt der ÖVP das Ergebnis ihres Spitzenkandidaten Florian Krumböck in St. Pölten gerade recht. Platz zwei erfolgreich gegen die Freiheitlichen verteidigt – da ist das Minus im Wahlergebnis leicht verschmerzbar. Vielleicht regiert Krumböck in der Landeshauptstadt sogar bald als Vizebürgermeister mit, es wäre ein Erfolg für die Schwarzen.

Sorge bei den Roten

Der Höhenflug der Freiheitlichen bleibt derweil ungebrochen. Mit Martin Antauer an der Spitze konnten die Blauen um mehr als zehn Prozent zulegen – auch wenn man dieses Plus differenziert betrachten muss, denn bei der Wahl 2021 war die FPÖ noch schwer vom Ibiza-Skandal gebeutelt und verlor massiv. 

Aber: Die Freiheitlichen bauen ihre regionalen Basen aus, stellen seit der letzten landesweiten Gemeinderatswahl erstmals Bürgermeister – und agieren weitgehend skandalfrei.

Nervosität in der SPÖ

Und was ist mit der SPÖ? Hier könnte das St. Pöltner Ergebnis zu tiefen Sorgenfalten bei Landesparteichef Sven Hergovich führen. „Jetzt ist uns auch noch die Landeshauptstadt weggebrochen“, sagte ein Roter nach der Niederlage.

Stimmt: St. Pölten war bei Landtagswahlen stets ein wichtiger Stimmenlieferant. Das deutliche Minus muss die Alarmglocken schrillen lassen. Aktuell halten die Sozialdemokraten landesweit bei knapp über 20 Prozent. Ein Minus von mehr als drei Prozentpunkten könnte ihnen den zweiten Regierungssitz kosten.

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