Chronik Niederösterreich
02/08/2019

Hasenpest in Korneuburg: Was Sie über die Seuche wissen müssen

Eine Frau hat sich mit Tularämie infiziert. Die Infektionsquelle ist nicht bekannt. Angst vor Ansteckung braucht man nicht haben.

von Lisa Rieger

Im Bezirk Korneuburg ist ein Fall von Tularämie bekannt geworden. Eine Frau habe sich Ende Jänner mit der auch als Hasenpest bezeichneten und meldepflichtigen Krankheit infiziert, bestätigte die niederösterreichische Landessanitätsdirektion am Donnerstag. Bei der Erkrankten konnte bisher "keine Infektionsquelle eruiert werden", sagte eine Sprecherin.

Was ist Tularämie?

Die Tularämie - auch Hasen-, Nagerpest, Lemmingfieber, Hirschfliegenfieber, Ohara-Krankheit genannt - ist eine auf der nördlichen Hemisphäre vorkommende, auf den Menschen übertragbare bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht wird, erklärt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Der Erreger ist für Menschen zwar nur mäßig krankmachend, kann aber auch schwere Krankheitsbilder hervorrufen, heißt es in einem Merkblatt des Gesundheitsministeriums.

Wo kommt die Hasenpest in Österreich vor?

"Im äußersten Nordosten Österreichs besteht ein aktiver Tularämie-Naturherd, der mit den Endemiegebieten in der Slowakei und Tschechien entlang den Flüssen March und Thaya zusammenhängt", heißt es auf der Homepage der AGES. Sporadische Tularämiefälle seien auch in anderen Gebieten Österreichs möglich. So existiert im südlichen Burgenland und der angrenzenden Steiermark ein weiteres Gebiet, in dem die Hasenpest mehrmals bei Feldhasen nachgewiesen wurde. Tularämiefälle bei Feldhasen und Menschen wurden vereinzelt auch in Oberösterreich festgestellt.

Wie oft kommt die Hasenpest vor?

"Seuchenausbrüche mit einem Massensterben von Feldhasen führen zu einer deutlichen Häufung von Tularämiefällen beim Menschen, wie zuletzt 1994/95 und 1997/98 in Niederösterreich mit zirka 20 gemeldeten Humanfällen pro Jahr", heißt es beim Gesundheitsministerium. "In den Jahren 2014  bis 2018 wurden in Österreich 40 Stück Hasenartige, vor allem Feldhasen, zur Untersuchung auf Tularämie an die AGES eingesandt. Sieben Feldhasen waren positiv. Die positiven Fälle wurden vor allem in den vergangenen zwei Jahren diagnostiziert", ergänzt die AGES.

Angsthase

Wie erfolgt die Übertragung?

Die Hasenpest ist laut Gesundheitsministerium hochansteckend, sodass schon wenige Keime genügen, um eine Infektion auszulösen. Infektionsmöglichkeiten gibt es viele: "Häufig sind es Haut- und Schleimhautkontakt mit infizierten Tieren (besonders Feldhasen), der Verzehr von unzureichend erhitztem Hasenfleisch, die Aufnahme von  kontaminierten Lebensmitteln oder von kontaminiertem Wasser, Stiche von Zecken und anderen blutsaugenden Parasiten, selten auch Katzenbisse", heißt es im Merkblatt weiter. Auch das Einatmen von infektiösem Staub, zum Beispiel aus Erde, Stroh, Heu oder Tierfellen - zum Beispiel beim Abhäuten von Feldhasen - könne zu einer Übertragung führen. Von Mensch zu Mensch kann die Krankheit aber nicht übertragen werden.

Welche Symptome sind typisch?

Beim Menschen können verschiedene Symptome auftreten: Lymphknotenschwellungen stehen im Vordergrund. Daneben können laut Gesundheitsministerium Hautgeschwüre, Mund-, Rachen-, Mandelentzündungen, Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen, Lungenentzündungen und Fieber beobachtet werden. Tödlich ist die Krankheit nicht. Bei Tieren kommt es unter anderem zu einer gesteigerten Atmungsfrequenz, Fieber, fehlendem Fluchtverhalten. Innerhalb von vier bis dreizehn Tagen sind die meisten Tiere verendet.

Welche Vorbeugungsmaßnahmen sind sinnvoll?

Laut Gesundheitsministerium dürfen verendete oder kranke und getötete Feldhasen auf keinen Fall gehäutet werden und sollten nicht ohne Einmalhandschuhe berührt werden. Außerdem rät die AGES, die kranken Tiere nicht zu vergraben, sondern in Kunststoffbeuteln vollständig und dicht verpackt an das IVET in Mödling zur Untersuchung einzuschicken.

Ist der österreichische Feldhase prinizipiell bedroht?

Tierschützer vom WWF schlagen Alarm, dass Feldhasen wegen intensiver Landwirtschaft und fehlender Verstecke immer weniger werden. „Feldhasen stehen  nicht auf der roten Liste, aber die Zahlen sind stark rückläufig“, sagt Bernhard Kohler, Biologe bei der Tierschutzorganisation WWF.

„Der Lebensraum des Feldhasen ist stark beeinträchtigt, weil er in Agrarlandschaften lebt. Dort gibt es eine Intensivierung des Einsatzes von Pestiziden und Düngemitteln. Feldwege verschwinden  aus der Landschaft“, fährt der Biologe fort. Die Hasen  bräuchten abwechslungsreiche Unkrautnahrung oder Wiesenpflanzen, die jedoch verschwinden würden.

Zur Hasenpest sagt Kohler: „Krankheiten sind immer ein Bestandteil von Tierpopulationen. Das ist nichts Ungewöhnliches.“ Ein Hasenbestand, der in einer gesunden Agrarlandschaft lebt, würde die Krankheit aber besser aushalten. „In ökologisch naturnäheren Landschaften treten Krankheiten auch weniger auf.“

Welche weiteren Erkrankungen von Tieren gibt es in Europa?

Aktuell ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) aufgetreten.

Dänemark baut an der deutschen Grenze einen Wildschweinzaun, um sich davor zu schützen. Wo ist diese Krankheit derzeit verbreitet?

Prinzipiell umfasst das Wirtsspektrum Schweine aller Rassen und Altersstufen, auch Wildschweine. Für den Menschen oder andere Tierarten ist das Virus laut AGES aber ungefährlich. Bei der Kommunikationsplattform VerbraucherInnengesundheit, einer Seite des Gesundheitsministeriums, heißt es: "Am 13. September 2018 haben die Belgischen Behörden bei zwei tot aufgefundenen Wildschweinen im Dreiländereck Belgien, Frankreich und Luxemburg (etwa 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt), die Afrikanische Schweinepest festgestellt. Damit ist die ASP erstmals seit 2014 in einem Westeuropäischen Land ausgebrochen."

Aktuell sind neben den EU-Mitgliedern Belgien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, der Tschechischen Republik, den Baltischen Staaten und Polen, die EU-Anrainerstaaten Russland, Moldawien und Ukraine betroffen. Die Tierseuche ist bisher noch nicht in Österreich aufgetreten, durch zahlreiche Fälle in Nordosteuropa sei die Gefahr einer Einschleppung aber sehr hoch.